Christophorus-Klinikschule in Krefeld: Wo schwer kranke Kinder eingeschult werden
Eine Schultüte im Krankenhaus: An der städtischen Christophorus-Klinikschule in Krefeld lernen Kinder mit onkologischen und psychischen Erkrankungen trotz ihrer Behandlung. Der sechsjährige Darvan wurde heute eingeschult.
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Christophorus-Klinikschule in Krefeld Wo schwer kranke Kinder eingeschult werden
03.09.2026 · 13:36 Uhr
Darvan bei seiner Einschulung mit Schulleiter Boris Bertram (l.) und seinem Vater (r.).
Foto: Dirk Jochmann
Krefeld · Eine Schultüte im Krankenhaus: An der städtischen Christophorus-Klinikschule in Krefeld lernen Kinder mit onkologischen und psychischen Erkrankungen trotz ihrer Behandlung. Der sechsjährige Darvan wurde heute eingeschult.
Kleine Fußbälle auf leuchtend orangefarbenem Hintergrund zieren Darvans Schultüte. Sie ist beinahe so groß wie der Sechsjährige selbst. Für ihn ist dieser Tag ein ganz besonderer: Darvan wird eingeschult.
Eine „Schule eigener Art“
Wie für viele andere Kinder beginnt heute auch für ihn das Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Doch Darvan erlebt seinen ersten Schultag unter anderen Umständen. Denn seit einigen Wochen wird er im Helios Klinikum in Krefeld medizinisch behandelt. Deshalb besucht er zunächst die Christophorus-Klinikschule. Die Schule ist weder eine Regelschule noch eine Förderschule, sie gilt als „Schule eigener Art“. Wenn ein Kind seine Stammschule krankheitsbedingt vier Wochen oder länger nicht besuchen kann, hat es trotzdem ein Recht auf Unterricht. Im Helios Klinikum unterrichtet ein Kollegium aus sechs Lehrkräften deshalb Kinder und Jugendliche mit onkologischen und chronischen Erkrankungen. In der Tagesklinik des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) lernen junge Menschen mit psychischen Problemen.
Darvan ist in onkologischer Behandlung. Wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, soll er künftig täglich in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Sachunterricht unterrichtet werden. Maßgeblich ist dabei nicht allein der Stundenplan. Im Mittelpunkt steht die Frage, was dem Schüler gerade guttut und was angesichts seiner Erkrankung und anstehender Behandlungen möglich ist.
Unterricht, der sich nach dem Kind richtet
„Die Arbeit hier ist mir eine große Herzensangelegenheit“, sagt Schulleiter Boris Bertram. Der intensive Kontakt zu den Schülern und ihren Eltern ist ihm besonders wichtig. „Sensibilität und Kommunikation sind hier das Allerwichtigste“, sagt er. Einmal pro Woche nimmt Bertram deshalb an ärztlichen Besprechungen teil und steht täglich eng im Austausch mit den Fachkräften. Intensität und Art des Unterrichts richten sich immer nach dem Gesundheitszustand des Kindes. Das Ziel aber bleibt dasselbe wie an jeder anderen Schule: Die Kinder sollen möglichst die gleichen Inhalte auf demselben Niveau lernen. Das Kollegium unterrichtet Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen.
Die Klassenräume, in denen Darvan und seine Mitschüler unterrichtet werden, sehen aus wie gewöhnliche Schulräume. Es gibt Schulbücher, Hefte und eine Menge bunt gemalter Bilder. Die Räume sind nur kleiner. An einem Tisch finden gerade einmal vier Schüler und eine Lehrkraft Platz. Der Unterricht findet in Kleingruppen statt, aus Gründen des Infektionsschutzes jedoch meist einzeln – häufig auch am Krankenbett.
Ein Stück Normalität
Carla Seel ist seit 2011 Lehrerin an der Christophorusschule. Sie wird Darvan künftig unterrichten. „Unsere Hauptaufgabe ist es, dass die Kinder nicht den Anschluss verlieren und wir sie langsam zurück in die Stammschule eingliedern“, sagt Seel. Dabei freue sie sich besonders, zu sehen, welche positive Wirkung Schule auf viele Kinder habe. „Viele Eltern denken oft, Schule ist eine weitere Belastung“, beschreibt sie es. Dabei bringe die Schule vielen Kindern Erfolgserlebnisse und ein Stück Normalität zurück, die sonst im Klinikalltag fehlen. „Das Kind denkt in der Schule an normale Dinge, nicht mehr an seinen Tropf, den nächsten Ultraschall oder eine Urinabgabe“, sagt Seel.
Bestärkt werde das durch die Motivation und Lust am Lernen, die die meisten Kindern mitbringen. „Das ist der schönste Beruf der Welt“, sagt sie. Das gelte auch dann, wenn es zu ihrem Alltag gehöre, Tränen wegzuwischen. „Es kommt immer anders, als man es plant“, weiß Seel. Rückschläge und Schmerzen gehören dazu, weshalb der Unterricht flexibel angepasst werden müsse.
Für Darvan hat Seel in der vergangenen Woche die Schulbücher aus seiner Stammschule abgeholt. Der enge Austausch mit der Schule sei besonders wichtig. Denn der Stoff soll für ihn derselbe sein; auch Hausaufgaben gehören dazu. Auch Klassenarbeiten werden mit der Stammschule abgestimmt und möglichst zum gleichen Zeitpunkt geschrieben. Von Anfang an möchte Seel Darvan außerdem in seine Klassengemeinschaft einbinden, auch wenn er zunächst nicht vor Ort sein kann. „In seine Giraffenklasse schicken wir bald einen Brief und ein Foto“, sagt sie. So sollen die anderen Kinder Darvan kennenlernen.
Eine Einschulung muss gefeiert werden
Darvan ist ein großer Fußballfan. Das verrät nicht nur seine Schultüte, sondern auch der Tisch, der für seine Einschulung gedeckt und ganz persönlich auf den Sechsjährigen abgestimmt wurde. Auf jedem Teller liegen grüne Fußballservietten, an der Wand hängen Girlanden und Luftballons. Seel hat Muffins mitgebracht. Nach der kleinen Feier machen sich die Gäste – Eltern, Lehrkräfte, psychologische Betreuer und medizinische Fachkräfte – auf den Weg in Darvans Zimmer oben auf der Station. Dort werden ihm seine Bücher übergeben, und das Zimmer wird geschmückt. Denn egal, unter welchen Umständen: Eine Einschulung muss schließlich gefeiert werden.
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