China: Absatzschwäche trifft deutsche Industrie doppelt

Wachsende wirtschaftliche Probleme in China verschärfen die Not der deutschen Industrie gleich auf zweifache Weise: Für deutsche Firmen bricht nicht nur der Absatz in Fernost ein, sie bekommen auch mehr Billig-Konkurrenz aus Fernost in Europa.

  • 3 min read
China: Absatzschwäche trifft deutsche Industrie doppelt

Da die Geschäfte in China nicht gut laufen, suchen etliche Industrieunternehmen aus der Volksrepublik ihr Heil in immer weiter steigenden Exporten. Das ist eine doppelt schlechte Nachricht für deutsche Firmen: Sie verlieren nicht nur in China selbst Marktanteile, sondern auch in der restlichen Welt, einschließlich Europas.

Ökonomen und Finanzfachleute diskutieren, ob China auf eine „Japanifizierung“ zusteuert: eine potenziell jahrzehntelange Stagnation, wie sie Japan ab den 1990er Jahre erlitt, nachdem das Land zuvor einen rasanten Wirtschaftsaufschwung erlebt hatte, dessen Ende mit dem Platzen einer Immobilienblase eingeleitet wurde.

Wenn Chinas Wirtschaft stockt, hat das globale Folgen. Schon jetzt belastet die schwache Nachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt das Geschäft chinesischer und ausländischer Firmen. „Wir rechnen nicht mit einer deutlichen Besserung der Binnenwirtschaft in naher Zukunft“, sagt Oliver Oehms. Der Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Nordchina verweist auf den in diesem Jahr verabschiedeten Fünfjahresplan Pekings. China setze weiterhin vor allem auf die Verbesserung der Angebotsseite, anstatt Anreize für mehr Nachfrage zu schaffen, sagt Oehms.

Warum Chinas Wirtschaft stockt

Doch was sind die Gründe der chinesischen Flaute? Es klingt eigenartig: In China wurde zu viel investiert. „In Deutschland belaufen sich die öffentlichen Investitionen auf ungefähr 15 Prozent der Gesamtinvestitionen“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. „In China ist das Verhältnis umgekehrt, da sind die öffentlichen Investitionen höher als die privaten. Der Staat sorgt so dafür, dass er seine geplanten Wachstumszahlen erhält.“

Doch ist das Geld sinnvoll angelegt? „In China wird das Geld nicht richtig ausgegeben, es gibt erhebliche Fehlinvestitionen“, sagt Fuest. China investiere deutlich über 40 Prozent seiner gesamten Wirtschaftsleistung, die Wirtschaft wachse aber nur mit 4 bis 5 Prozent. „Das ist wie ein Unternehmen, das einen großen Teil seiner Wertschöpfung in Investitionen steckt, damit aber zu wenig Gewinn erwirtschaftet, um stark zu wachsen.“ Das Fazit des Ökonomen: „Da stimmt etwas nicht.“

Exzessive Investitionen und ein wachsender Schuldenberg

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigte China in einem 2025 erschienenen Papier sogar „exzessive“ Investitionen. „China erzeugt somit künstliches Wachstum“, sagt der Ifo-Präsident.

Chinas Industrie hat mit staatlicher Lenkung riesige Summen für Forschung und Entwicklung sowie den Bau neuer Werke ausgegeben. Chinesische Firmen haben westliche und japanische Unternehmen in manchen Bereichen technologisch überholt und verfügen über voll automatisierte Fabriken mit gigantischen Kapazitäten. Der Preis ist eine ebenso gigantische Unternehmensverschuldung.

Mehr zum Thema

  • 2 Min

  • 7 Min

  • 3 Min

  • 20 Min

  • 7 Min

Wann platzt die Blase?

Nach IWF-Prognose wird die Verschuldung des chinesischen Privatsektors – ohne Banken – in diesem Jahr die Marke von 323 Prozent des Bruttoninlandsprodukts erreichen, weit höher als in jedem westlichen Industriestaat. In manchen Industriesektoren – darunter Autobranche und Solarbranche – schreibt mutmaßlich die Mehrheit der Unternehmen rote Zahlen. Die Staatsverschuldung steigt ebenfalls rasant.