CDU vor dem Zerbrechen wegen AfD? Historiker: „Brandmauer wird den Herbst nicht überleben“
StartseitePolitik„Brandmauer wird den Herbst nicht überleben“: Historiker warnt vor „eruptiven“ VeränderungenStand: 11.08.2026, 14:02 UhrKommentareUns auf Google folgenEin Historiker aus den eigenen Reihen der ...
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„Brandmauer wird den Herbst nicht überleben“: Historiker warnt vor „eruptiven“ Veränderungen
Stand: 11.08.2026, 14:02 Uhr
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Ein Historiker aus den eigenen Reihen der CDU warnt seine Partei vor einem Szenario, das Deutschland seit Jahrzehnten nicht erlebt hat.
München – Es klingt wie eine Warnung kurz vor dem Erdbeben: Der Historiker und CDU-Mitglied Andreas Rödder schlägt Alarm – und er tut es mit einer Deutlichkeit, die in seiner Partei niemand mehr überhören kann. Die politische Konstruktion, die seit Jahren den Umgang mit der AfD regelt, steht laut Rödder vor dem Ende. Nicht als geordneter Rückzug, sondern als Einsturz.

„Die Brandmauer wird den Herbst nicht überleben“, sagte Rödder zu Welt. Und er macht keinen Hehl daraus, was das für seine eigene Partei bedeuten könnte: „Ich halte ein Zerbrechen der CDU in diesem Herbst für ein durchaus realistisches Szenario.“ Der Auslöser: die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Laut aktuellen Umfragen könnten AfD und Linkspartei zusammen eine absolute Mehrheit der Sitze erringen.
CDU: Raus aus der Regierungsverantwortung oder in die Koalition mit der AfD?
Für die CDU, die Koalitionen mit beiden Parteien ausgeschlossen hat, wäre das eine Sackgasse. Rödder skizziert drei mögliche Wege für die Union: Entweder sie koaliert gegen die AfD auch mit der Linken, oder sie zieht sich faktisch aus der Regierungsverantwortung zurück – oder sie arbeitet doch mit der AfD zusammen. Auf diesen dritten Fall, so Rödder, sei die CDU völlig unvorbereitet. Führende Parteimitglieder sprechen intern laut Rödder bereits davon, die CDU stehe „am Rande der Todeszone“.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte erst vor Kurzem, die CDU werde nicht mit AfD und Linkspartei zusammenarbeiten: „Wir haben hier klare Parteitagsbeschlüsse, und ich habe keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass wir die einhalten.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) widerspricht ihm offen – im Handelsblatt: „Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will.“
Dass die Brandmauer ins Wanken geraten ist, zeigt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage für stern und RTL vom 16. und 17. Juli 2026: Zwar lehnen noch 58 Prozent der Deutschen Koalitionen mit der AfD ab – doch 39 Prozent sprechen sich inzwischen für eine Lockerung aus. Im Juni 2023 waren es noch 73 Prozent, die eine Zusammenarbeit ablehnten. Der Ost-West-Graben ist dabei besonders tief. Im Westen sprechen sich 61 Prozent gegen eine Regierungsbeteiligung der AfD aus. Im Osten hingegen befürwortet eine knappe Mehrheit von 53 Prozent genau das.
Umgang mit der AfD: Ökonomen und Politiker streiten über den richtigen Kurs
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), warnt im Handelsblatt eindringlich: „Ein Einreißen der Brandmauer gegenüber der AfD hilft niemandem außer der AfD selbst, weil es ihr in den Augen mancher zusätzliche Legitimität verschafft.“ Zahlreiche wissenschaftliche Studien deuteten darauf hin, dass die AfD-Politik wirtschaftlich und sozial „höchst destruktiv“ sei. BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner urteilt knapp: „Die AfD ist keine Wirtschaftspartei.“ Fratzscher sieht zudem ein Paradox: AfD-Wählerinnen und -Wähler sowie Regionen mit hohem AfD-Anteil würden unter einer AfD-Politik deutlich stärker leiden als andere. Zahlreiche wissenschaftliche Studien deuteten darauf hin, dass die Politik der AfD wirtschaftlich und sozial „höchst destruktiv“ sei und „großen Schaden“ anrichten würde.
Rödder selbst rückt die Dimension des Geschehens in einen historischen Rahmen: „Insofern stehen wir, glaube ich, vor den dramatischsten Herausforderungen des politischen Systems seit dem Herbst 1989.“ Der 59-Jährige, der 2023 den Vorsitz der CDU-Grundwertekommission niederlegte, bleibt seiner Linie treu: Die CDU brauche eine klare Strategie – sonst drohe ihr das Schlimmste nicht von außen, sondern von innen. (Quellen: Welt, dpa, Handelsblatt, stern) (cgsc)