Bittere Erkenntnis im fatalen Millionenspiel – Insolvenzverwalterin: „Kein Guthaben gefunden“
wa.deHammStand: 01.08.2026, 05:30 UhrKommentareUns auf Google folgenTanja Bückmann, Insolvenzverwalterin © privatIst das Geld tatsächlich verbrannt worden? Im millionenschweren Maklerfall aus Hamm spricht nun d...
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Stand: 01.08.2026, 05:30 Uhr
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Ist das Geld tatsächlich verbrannt worden? Im millionenschweren Maklerfall aus Hamm spricht nun die vorläufige Insolvenzverwalterin.
Hamm – Anrufen zwecklos: Das ist die Erfahrung, die Kunden und potenziell Geschädigte rund um das fatale Millionenspiel eines Hammer Versicherungsmakler-Büros seit etwa drei Wochen machen. Achtstellige Euro-Beträge von Geldanlegern sind irgendwohin versickert, Beiträge für alle Arten von Versicherungen anscheinend ebenfalls verschwunden. Wo ist das Geld? Lässt es sich noch zurückholen? Es gibt viele Fragen bei den Betroffenen, aber noch reichlich wenig Antworten.
Eine Hoffnungsträgerin für die Opfer dieses sich immer mehr als Finanzskandal abzeichnenden Falls ist Tanja Bückmann. Die Juristin aus Oberhausen ist am 21. Juli 2026 zur vorläufigen Insolvenzverwalterin in der Causa bestellt worden. Vorläufig, also noch ist kein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Seit eineinhalb Wochen hat sie nun immerhin die Schlüsselgewalt über die Firma, deren Hauptgeschäftsführer sich das Leben nahm und das Geheimnis um die verschwundenen Millionen womöglich mit ins Grab nahm.
Anrufe und Mails laufen derzeit tatsächlich ins Leere
„Es wird dort nicht mehr gearbeitet“, klärt die Rechtsanwältin im Gespräch mit dem WA darüber auf, dass Anrufe und Mails derzeit tatsächlich ins Leere laufen und zwecklos sind. Fünf Mitarbeiter seien zum Schluss noch in dem Betrieb tätig gewesen. Ihnen allen sei kurz nach dem Tod des Hauptgeschäftsführers von dessen Partner gekündigt worden. Das sei etwa zwei Wochen vor ihrer Bestellung gewesen. Sie gehe auch nicht davon aus, dass der Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werde. „Es gibt aus meiner Sicht keine Fortführungsperspektive“, so Bückmanns erste Einschätzung. Das Maklerbüro hatte den Insolvenzantrag am 20. Juli 2026 gestellt.
Mehrfach seien sie persönlich oder ihre Mitarbeiter seit ihrer Bestellung in dem Büro in Hamm gewesen. Man habe Dokumente eingesehen und gesichert. „Bislang haben wir aber kein Guthaben auf einem Firmenkonto ausfindig gemacht“, so die Juristin über ihre derzeitige Hauptaufgabe. „Gibt es noch irgendwo Vermögenswerte?“, sei die zentrale Frage.
Im Wesentlichen bestätigt die Anwältin die bislang veröffentlichten WA-Recherchen. Erhebliche Summen wurden demnach auch nach ihren Erkenntnissen von Anlegern in ein mit 5,2 Prozent verzinstes Anlagemodell investiert, das anscheinend gar nicht existierte. Stand jetzt sei der tote Geschäftsführer „mindestens der absolute Drahtzieher“ in der Angelegenheit gewesen. Ob es in dem Büro weitere Beteiligte gab, sei derzeit noch unklar. Was die um ihr Geld besorgten Anleger betrifft, stehe sie in Kontakt mit einem potenziell Geschädigten, der stellvertretend für weitere Investoren spreche. Die ihr gegenüber gemachten Angaben zur möglichen Schadenssumme schwankten zwischen 12 und 18 Millionen Euro. Der erste Anleger investierte auch nach ihrer Kenntnis im Jahr 2009 in das Modell. Über Jahre hinweg seien die versprochenen Renditen von 5,2 Prozent auch ausgezahlt worden.
Zahl der Betroffenen noch nicht klar
Der zweite Komplex betreffe die Beiträge, die von Versicherungsnehmern an den Makler gezahlt und offenbar nicht an den Versicherer weitergeleitet wurden. Stand jetzt sei überhaupt nicht absehbar, wie viele Versicherte das betreffe. „Wir kennen noch nicht die Dimension.“ Ausgangspunkt für diese Fehlgriffe sei wohl eine „sich zuspitzende Liquiditätskrise“ in dem Maklerbüro gewesen. Diese habe wohl im November 2025 eingesetzt. Die Inkasso-Vollmachten der Firma seien in dieser Zeit von mindestens einigen Versicherungen widerrufen worden. Die Kunden hätten trotzdem ihre Beiträge bezahlt – wie gewohnt an den Makler.
Jedem Versicherungsnehmer, der nun Post von einer Versicherung wegen nicht gezahlter Beiträge erhalte, empfiehlt sie, in die Eigenverantwortung zu gehen und mit der Versicherung Kontakt aufzunehmen. Auch nach ihrer Kenntnis würden einige Versicherungen von einer doppelten Zahlung der Versicherungsnehmer Abstand nehmen, andere würden jedoch auf eine erneute Zahlung beharren. „Nicht gezahlte Prämien sind das eine, nicht bestehender Versicherungsschutz das andere“, gibt sie mit Blick auf Worst-Case-Szenarien (Gebäudeversicherung und das Haus brennt ab) zu bedenken.
Doppelt gezahlte Prämien können als Forderung angemeldet werden
Die Versicherten könnten ihre doppelt gezahlten Prämien auch als Forderungen bei ihr anmelden. Das komme aber erst zum Tragen, wenn das Insolvenzverfahren auch tatsächlich eröffnet werden sollte. Und das sei bislang eben nicht der Fall.
Wie berichtet hatte eine Versicherung bereits im Juni 2026, noch zu Lebzeiten des Hauptgeschäftsführers, eine Strafanzeige gegen die beiden Geschäftsführer des Maklerbüros gestellt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung eingeleitet. Das Verfahren steht noch ganz am Anfang. Bislang, so Bückmann, habe sie noch keinen Kontakt zur Staatsanwaltschaft gehabt.