CSD-Anschlag als "Signal des Himmels"? Bistum distanziert sich von Pfarrer nach Leserbrief

Ein Anschlag als "Signal des Himmels"? Ein Pfarrer hat sich in einem Leserbrief homophob über den Angriff auf den Berliner CSD ausgelassen. Das Bistum Fulda distanziert sich - und betont seine Solidarität mit der queeren Community.

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CSD-Anschlag als "Signal des Himmels"? Bistum distanziert sich von Pfarrer nach Leserbrief

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Leserbrief zum CSD Bistum Fulda distanziert sich von homophoben Äußerungen eines Pfarrers

Ein Anschlag als "Signal des Himmels"? Ein Pfarrer hat sich in einem Leserbrief homophob über den Angriff auf den Berliner CSD ausgelassen. Das Bistum Fulda distanziert sich - und betont seine Solidarität mit der queeren Community.

Der Dom von Fulda im Hintergrund, vorne ein Schriftzug FULDA mit einem roten Herz.

“Allen Menschen mit Nächstenliebe begegnen”: Das Bistum Fulda solidarisiert sich mit CSD-Teilnehmenden. Bild © picture alliance / Zoonar | Ingrid Ruch

Der Geistliche hatte den Anschlag des mutmaßlich islamistisch motivierten Attentäters auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin in einem Leserbrief in der Fuldaer Zeitung als "göttlichen Aufruf zur Umkehr" bezeichnet.

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00:46 Min.|hessenschau.de (Thomas Kurella)

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Der CSD sei eine "Parade der Schamlosigkeit" und "halbnackter Leiber" sowie eine "Verherrlichung der Perversion", hieß es in dem Leserbrief in der Freitagsausgabe.

Zwar verurteilte der Pfarrer den Anschlag mit einer Toten und 29 teils schwer verletzten Menschen als "Gräueltat". Trotzdem sollten Christen ihn als "Signal des Himmels" verstehen.

Bistum: Unterstützen Engagement des CSD

Auf hessenschau-Anfrage teilte das Bistum am Samstag mit, die Äußerungen des Pfarrers würden weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen wiedergeben.

Man weise insbesondere die Deutung zurück, der Anschlag sei Ausdruck eines göttlichen Handelns gewesen, so das Bistum Fulda. Es könne und dürfe nicht hingenommen werden, "dass in unserem Land Menschen sich aufgrund ihrer sexuellen Identität als existenziell bedroht erleben".

Aus dem christlichen Glauben erwachse der Auftrag, "allen Menschen mit Achtung, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen", unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Das Bistum unterstütze daher das "friedliche Engagement" des CSD für "eine offene, respektvolle und freiheitliche Gesellschaft".

Ob die Aussagen Konsequenzen für den Pfarrer in Ruhestand haben, ist unklar. Auch ist nicht bekannt, ob der Geistliche noch seelsorgliche Tätigkeiten ausübt.

Chefredakteur: Nimmt Opfern die Würde

Auch der Chefredakteur der Fuldaer Zeitung distanzierte sich von den Aussagen. In einer wöchentlich erscheinenden Kolumne schrieb Tobias Farnung am Samstag, zwar müsse niemand den CSD gut finden. Eine öffentliche Gesellschaft müsse unterschiedliche Auffassungen aber aushalten.

Mit dem Leserbrief habe der Pfarrer eine Grenze überschritten. Den Opfern des Anschlags werde damit nachträglich ihre Würde genommen. "Ihr Leid erscheint plötzlich nicht mehr als Ergebnis menschenverachtender Gewalt, sondern als vermeintlich verdiente Warnung von oben", so Farnung.

Die Antwort auf eine Frage stand am Samstag noch aus: Warum druckte die Fuldaer Zeitung den Leserbrief des Priesters überhaupt ab? Eine hr-Anfrage an die Zeitung blieb bislang unbeantwortet.