Günstige Sonnencremes von Temu und Aliexpress sind nutzlos und sogar gefährlich
Publiziert2. August 2026, 04:52Tester entsetztBillig-Sonnencremes nutzlos – und sogar gefährlichEine Analyse von Konsumentenschutzorganisationen zeigt: Günstige Sonnencremes von Temu, Aliexpress und Shein biete...
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Publiziert2. August 2026, 04:52
Tester entsetztBillig-Sonnencremes nutzlos – und sogar gefährlich
Eine Analyse von Konsumentenschutzorganisationen zeigt: Günstige Sonnencremes von Temu, Aliexpress und Shein bieten kaum Schutz.

Darum gehts
- Sonnencremes von Temu, Aliexpress und Shein mit Lichtschutzfaktor 50 oder mehr haben in einem Test katastrophal abgeschnitten.
- Drei Produkte von Aliexpress enthielten einen in der EU verbotenen UV-Filter und wurden sofort aus dem Test ausgeschlossen.
- Vier Produkte bieten einen laut den Testern «lächerlichen» Lichtschutzfaktor von 2,1 oder weniger.
Sonnencremes zu Schnäppchenpreisen klingen verlockend in Zeiten geschwächter Kaufkraft. Konsumentenschützer warnen allerdings davor, den Reisekoffer mit Flaschen zu füllen, die von Temu, Aliexpress oder Shein kommen.
Die grösste französische Konsumentenschutzorganisation Que Choisir Ensemble wollte gemeinsam mit weiteren europäischen Testinstitutionen Sonnencremes von Temu, Shein und Aliexpress mit mindestens Lichtschutzfaktor 50 testen.
Die Sonnencremes kosteten zwischen 1.55 bis 6.65 Euro. Doch die vermeintlichen Schnäppchen könnten mit erhöhten Gesundheitsrisiken bezahlt werden. Denn die Testergebnisse ergaben schädliche und sogar verbotene Inhaltsstoffe sowie einen nahezu nicht vorhandenen Sonnenschutz bei den meisten getesteten Produkten.
Drei Sonnencremes scheiden sofort aus
Die Tester wollten 17 Produkte im Labor analysieren. Einige kamen nicht fristgerecht an, deshalb waren es am Ende noch zehn Produkte. Drei Sonnencremes von Aliexpress enthalten den UV-Filter 4-MBC, der in der EU seit Mai 2026 verboten ist, weil er mit dem Schilddrüsen- und Östrogensystem interagieren kann. Die Tester bestellten die Artikel allerdings im April.
Dabei handelt es sich um diese Produkte:
- Bioaqua Rice Raw Pulp Sunscreen 50+ für 5.24 Euro
- Laikou UV Defense Daily Sunscreen 50+ für 3.23 Euro
- Sadoer Protection Isolation Sunscreen 50+ für 3.29 Euro
Diese Produkte wurden wegen des verbotenen Inhaltsstoffs sofort aus dem Test ausgeschlossen, weshalb es am Ende noch sieben Produkte in die eigentliche Prüfrunde schafften, in der ihr Sonnenschutz gemessen wurde.
Sechs von sieben Sonnencrems ungenügend
Sechs Cremes erreichten nicht den angegebenen Lichtschutzfaktor. Vor allem aber blockieren vier die UV-Strahlen überhaupt nicht! Oder nur so wenig, dass es auf dasselbe hinausläuft. Das Labor hat laut den Testern einen «lächerlichen» Lichtschutzfaktor von 2 oder sogar weniger gemessen.
Der Lichtschutzfaktor bezieht sich auf die UVB-Strahlung und damit auf den Schutz vor Sonnenbrand. Sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung erhöhen das Hautkrebsrisiko, wie die deutsche Stiftung Warentest schreibt.
Diese Produkte waren betroffen:
- West Month Bio Sun Stick SPF 50+, eingekauft bei Temu für 2.77 Euro
- Jaysuing Sun Spray SPF 50, eingekauft bei Temu für 4.07 Euro
- Melao Isolation Sunscreen SPF 50+, eingekauft bei Shein für 6.18 Euro
- LBLS Whitening Moisturizing Sunscreen Cream Rose SPF 90+, eingekauft bei Aliexpress für 2.19 Euro
- Disaar Sunscreen Instant Protection Skin Color SPF 90, eingekauft bei Aliexpress für 6.19 Euro
- Ruoall Broad Spectrum Sunscreen Lotion SPF 50, eingekauft bei Temu für 6.65 Euro
Die Produkte von Melao, LBLS, Disaar und Ruoall blockierten UV-Strahlen kaum oder gar nicht – sie haben einen Lichtschutzfaktor von 2,1 oder noch weniger. «So etwas haben wir noch nie erlebt, seit wir Sonnenschutzcreme testen», schreibt Que Choisir. Die Produkte ähnelten beim Sonnenschutz eher einer Bodylotion.
Nur die günstigste Sonnencreme bot den deklarierten Schutz: Ouhoe Sunscreen SPF 50, eingekauft bei Temu und Aliexpress für 1.55 Euro. Der Haken: In dem Produkt ist der UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate (Octinoxat) zugesetzt. Die Tester stufen ihn als unerwünscht ein, weil er als hormonell wirksam gilt. Die EU-Kommission stuft den Filter dagegen als sicher ein.
Was denkst du über die Testergebnisse zu Billig-Sonnencremes von Online-Plattformen?
Ich bin schockiert, dass solche Produkte überhaupt verkauft werden dürfen.
Das überrascht mich nicht, bei solchen Preisen muss man Abstriche machen.
Gut, dass davor gewarnt wird, ich hätte fast so eine gekauft.
Ich kaufe meine Sonnencreme sowieso nicht online, das betrifft mich nicht.
Ich glaube, das wird etwas übertrieben dargestellt.
Ich benutze selten Sonnencreme, das ist mir egal.
Die Tester stufen das Ergebnis als katastrophal ein und raten dazu, solche Sonnencremes zu meiden.
Auf Anfrage der Tester sagten Aliexpress, Temu und Shein, sie hätten die getesteten Produkte und auch ähnliche Artikel aus dem Verkauf genommen und würden den Vorgang prüfen. Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei Temu, die Käuferinnen und Käufer dieser Produkte seien informiert worden und könnten eine Rückerstattung beantragen.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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