Besuch in Ottweiler: Hitze und Dürre belasten Bauern – beim Mais droht sogar Noternte
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Besuch in Ottweiler Hitze und Dürre belasten Bauern – beim Mais droht sogar Noternte
Ottweiler · Kein Wirtschaftszweig ist so stark vom Wetter abhängig wie die Landwirtschaft. Landwirt Georg Neufang aus Ottweiler befürchtet enorme Einbußen durch die Dürre.
06.08.2026 , 19:06 Uhr
Der Mais leidet unter Trockenstress. Landwirt Georg Neufang vom Wingertsweiherhof in Ottweiler zeigt am Kolben: Die anhaltend hohen Temperaturen beschleunigen die Abreife der Pflanzen deutlich. Sie gehen in eine Art Notreife.
Foto: Heike Jungmann
100 Mal, ach was, 1000 Mal hat Bauer Georg Neufang am Montag auf die Wetter-App seines Handys geschaut. 30 Liter Regen waren da „lokal“ angezeigt. „Gefallen sind höchstens drei“, sagt der Landwirt am Mittwochmorgen frustriert. Buchstäblich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Das Vieh leidet ebenfalls unter der Hitze. Etwas erträglicher wird diese wie hier am Wingertsweiherhof durch große Ventilatoren an der Decke des Stalls und Wassersprinkler.
Foto: Heike Jungmann
Staubtrocken sind die Äcker des Wingertsweiherhofs, wegen der anhaltenden Dürre haben Familie Neufang und ihre helfenden Freunde die Getreideernte schon vier Wochen früher als sonst in die Lagerhalle gebracht. Weil es bereits im Juni so heiß und trocken war, war der Weizen vorzeitig weiß abgereift (Notreife). Das heißt, dass die Pflanze den Transport von Wasser und Nährstoffen einstellt. Die Körner bleiben klein, schrumpfen und werden kreide- oder schneeweiß statt sich normal zu füllen, was zu massiven Ertrags- und Qualitätsdreinbußen führt. Neufang schätzt, dass es pro Hektar 5,5 Tonnen Weizen und 4,5 Tonnen Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) Ertrag gab sowie 3,2 Tonnen Raps. „Wäre der Juli nicht ebenfalls so trocken gewesen, wäre alles gut“, sagt Neufang, der Vorsitzender des Kreisbauernverbandes ist. Das Wintergetreide habe mehr Zeit gehabt, Wasser aufzunehmen, aber das Sommergetreide sei von schlechter Qualität und daher kein Backweizen.
Drohender Totalverlust beim Mais
Jetzt richten die saarländischen Bauern den Blick auf die Maisernte, die im vergangenen Jahr Mitte September begonnen hat und sehr gute Erträge brachte. Normalerweise freut sich Familie Neufang sehr darauf, weil sie viel Spaß macht und ein echter Höhepunkt im Jahr ist. Aber in diesem Jahr dörren auch die Maisbestände vor sich hin. Die meisten Pflanzen entsprechen nicht dem üblichen Wachstum, bei manchen rollen sich schon die Blätter ein. Bauer Neufang entblättert einen Kolben, um zu zeigen, dass der Reifeprozess wegen der Kombination aus Hitze und Dürre außergewöhnlich früh eingesetzt hat. Milchiger Saft tritt aus, als er ein paar Maiskörner anritzt. Der Mais befindet sich in der Milchreife, aber viel zu früh. „Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht ergiebig regnet, müssen wir den Mais noternten“, spricht der Bauer seine Befürchtungen aus. Sonst droht der Totalverlust.
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Foto: AFP/GREG BAKER
Futter wird teurer
Braun und verbrannt sind auch die Wiesen auf den Ottweiler Höhen. Hier haben die Neufangs noch die Hoffnung, dass ergiebiger Regen einen dritten oder vierten Schnitt möglich macht. Die Heupreise seien bereits aufgeschlagen, mittlerweile koste ein Heuballen rund 50 Euro. Steigende Preise für Diesel, Verschleißteile für die Maschinen und Dünger treiben den Bauern ebenfalls Sorgen auf die Stirn. Zumal die Erlöse von Fleisch und Milch gerade wieder im freien Fall sind.
Die Kühe ziehen es bei der Hitze vor, im Stall zu bleiben, obwohl auf der Weide Bäume Schatten spenden. Eine kleine Massage tut offensichtlich gut.
Foto: Heike Jungmann
Ventilatoren im Stall
350 Stück Vieh muss Familie Neufang versorgen. Auch den Tieren macht die Hitze sehr zu schaffen. Auf den Weiden hätten sie eigentlich genug Schatten, aber derzeit halten sie sich lieber in den großen Ställen auf, wo Ventilatoren und Wassersprinkler für ein wenig Abkühlung sorgen. Wasser vom Himmel wäre allen willkommen, zumal durch die Trockenheit die Brandgefahr auf Wald und Feld immens hoch ist. „Ein Feuer wäre jetzt fatal“, weiß der Landwirt, der deshalb mit der Freiwilligen Feuerwehr Ottweiler eine Übung auf einem Stoppelfeld vorbereitet hat.
Sorgenvoller Blick in die Zukunft
„Wir müssen uns auf sehr trockene Sommer einstellen“, sagen Georg und seine Ehefrau Susi Neufang. Dabei sei die Dürre nicht einmal das Hauptproblem, denn vom Wetter sei die Landwirtschaft immer abhängig. „Die meisten Sorgen macht uns der Preisverfall von Milch und Fleisch.“ (cim)