Von der IV verschmäht: Wenn Long Covid zum Existenzkampf im Alltag wird
Berufstätigkeit mit Long Covid Für viele Betroffene wird Long Covid zum Existenzkampf im Alltag Viele Betroffene von Long Covid müssen ohne Rente darum kämpf...
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Berufstätigkeit mit Long Covid Für viele Betroffene wird Long Covid zum Existenzkampf im Alltag
Viele Betroffene von Long Covid müssen ohne Rente darum kämpfen, ihr Leben zu bestreiten. Die Invalidenversicherung (IV) hilft den meisten nicht.
22.08.2026, 16:16
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Jahre nachdem er sich mit Covid infiziert hat, leidet Fabien noch immer unter starken Folgen. «Man wacht müde auf, man ist ständig müde», berichtet er dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Ich habe meine paar Stunden am Tag, in denen ich mich bewege. Ich mache meine Einkäufe, gehe spazieren, komme auf andere Gedanken. Aber am Abend, nach diesen paar Aktivitäten, habe ich keine Kraft mehr.»
Vielen Betroffenen von Long Covid fällt die Rückkehr ins Arbeitsleben schwer. Aber auch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV) besteht für sie meist kein Anspruch.
IMAGO / CHROMORANGE
Fabien kann nicht mehr als zwei oder drei Stunden pro Tag arbeiten. Das bestätigt auch ein Bericht der Universitätsspitäler Genf. Doch die Invalidenversicherung (IV) kommt ihm zufolge zu einem anderen Schluss. Sie habe entschieden, dass er zu 80 bis 100 Prozent in seinem Beruf arbeitsfähig sei.
Diagnose reicht nicht
Auch Dorothées Leben hat sich mit Long Covid grundlegend verändert. Als ausgebildete Bergführerin war sie Höhenluft gewohnt. Jetzt verträgt ihr Körper den Sauerstoffmangel nicht mehr. «Ich schaffe es bis auf 2300 Meter, aber nicht höher», berichtet sie. «Ich gehe immer noch in die Natur, aber weniger hoch, weit und lang.»
Hören Sie, wie Long Covid das Leben von Dorothée verändert hat:
Auch ihr Berufsleben ist drastisch eingeschränkt: Als Bibliothekarin kann sie nur noch zu 40 Prozent arbeiten. «Ich arbeite halbtags, ich brauche unbedingt einen Mittagsschlaf», sagt sie. «Müdigkeit ist kein passendes Wort. Man müsste ein anderes Wort erfinden, man ist regelrecht niedergeschmettert.»
Auch Dorothées Rentengesuch wurde von der IV abgelehnt. «In ihrem Entscheid anerkennen sie meine Diagnosen, aber sie kommen zum Schluss, dass ich zu 100 Prozent arbeitsfähig bin», sagt sie. «Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich hatte Berichte von Ärzten, die mir sagten, dass ich nicht mehr als 40 Prozent arbeiten kann.»
Fabien und Dorothée gehören zu den zahlreichen Menschen, die in die IV eingezahlt haben, aber keine Leistungen beziehen dürfen, obwohl sie eine Krankheit am Arbeiten hindert.
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) erinnert daran, dass eine Diagnose nicht ausreicht. «Die IV-Stellen stützen sich auf medizinische Begutachtungszentren, die das gesamte Dossier prüfen, einschliesslich des Rehabilitationspotenzials», erklärt das BSV. «Eine Rente kommt erst infrage, nachdem alle Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung ausgeschöpft wurden.»
Eine manchmal langsame Genesung
Die Priorität der IV ist es, kranke Menschen wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern, statt ihnen einfach eine Rente auszuzahlen. Aber das setzt eine zumindest teilweise Genesung von Long Covid voraus.
«Etwa vier von fünf Patienten mit Long Covid werden innerhalb von zwei Jahren genesen», sagt Christian von Plessen, Verantwortlicher der Long-Covid-Sprechstunde bei Unisanté, dem Universitätsspital in Lausanne. «Bei anderen dauert die Genesung mehrere Jahre. Es gibt auch einen kleinen Teil Patientinnen und Patienten, bei denen es sich nicht bessert, wo es nach zwei Jahren sogar Verschlechterungen gibt.»
Sechs Jahre nach ihrer Covid-Infektion ist Dorothée noch immer nicht genesen. Um ohne Unterstützung der IV zu leben, muss sie sich durchschlagen. Sie will jetzt einen Verein gründen, über den ihre Angehörigen und Bekannten jeden Monat Geld spenden können. Das soll eine Ergänzung sein zu ihrem Lohn und ihr ermöglichen, über die Runden zu kommen.
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RTS, La Matinale, 18.8.2026, 7:18 Uhr;liea