Berenberg Bank: Deutschlands ehemals erfolgreichster Banker und das Privatjet-Syndrom
Gerade erst entmachtete die Finanzaufsicht den Chef der Berenberg Bank. Recherchen offenbaren jetzt dessen extremen Managementstil – und einen erstaunlichen Deal mit einem Ex-Mitarbeiter.
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Was hat Hendrik Riehmer an der Dassault Falcon 7X gefallen? Mochte der langjährige Chef der Berenberg Bank die noble Ausstattung des Flugzeugs, die Tische, Ledersitze, eine Couch und eine Dusche umfassen kann? Kaufte eine Berenberg-Tochter die Falcon wegen der enormen Reichweite von 11.000 Kilometern? Oder ob der elektronischen, sonst nur in Kampfjets verbauten Steuerung zum besonders sicheren Fliegen?
Zu solchen Fragen schweigt Riehmer bislang. Er will sich auch insgesamt nicht zu dem Kauf äußern, den 2021 eine Berenberg-Tochter mit dem kryptischen Namen AHO6 veranlasste – und der wohl nur wenigen Insidern bekannt war. Das passt zu seinem Schweigen in allen anderen Fragen. Nur eines ließ Riehmer vor wenigen Tagen über seinen Anwalt fürs Erste ausrichten: Er weise alle Vorwürfe zurück, die sein langjähriger Arbeitgeber und die Finanzaufsicht BaFin gegen ihn erheben.
Dabei drängen sich Fragen auf: Welche Gründe gibt es für Riehmers plötzliche Entmachtung bei Berenberg auf Geheiß der BaFin? Wie steht es um seinen Managementstil, der zu seiner Demission beigetragen haben könnte? Und welche Symbolkraft besitzt die Falcon 7X?
Expansion ins riskante Investmentbanking
Dass sich eine mittelständische Bank mit zuletzt 1500 Mitarbeitern ein eigenes Flugzeug gönnt, ist erstaunlich. Dass es sich dabei um eine Falcon 7X handelt, kann man übertrieben finden. Zugleich passt die Maschine zu Riehmer: Der Banker war ein Manager, der in seinem Eifer unwahrscheinliche Erfolge erzielte. Aber er überzog auch regelmäßig, trieb die Dinge auf die Spitze, ging zuweilen weiter, als es tragbar schien. Und er konnte wohl nur über einen fallen: sich selbst.
Berenberg ist Deutschlands älteste Privatbank, ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1590 zurück. Und sie ist eines der wenigen verbliebenen inhabergeführten Geldhäuser des Landes. Unter Riehmer erlebte Berenberg seine größte Blütezeit. Der Einfluss der Bank dehnte sich immer weiter aus, während andere Privatbanken darbten, etwa Warburg aus Hamburg, Merck Finck aus München und Sal. Oppenheim aus Köln. Bis Riehmers Karriere Ende Juni spektakulär stoppte: Die BaFin entband Riehmer und seine zwei Co-Chefs per staatlicher Verfügung von ihren Aufgaben – ein beispielloser Eingriff der Aufsicht in die Selbstbestimmung einer privaten Bank derartiger Größe.

Draußen die altehrwürdige Fassade, drinnen gediegene Ausstattung: Die Dependance von Berenberg in Frankfurt erfüllt jedes Privatbankklischee. Foto: IMAGO/alimdi
Die Aufsicht störte sich an einer Reihe von Aktivitäten, die aus ihrer Sicht geeignet waren, die Bilanz der Bank besser aussehen zu lassen. Zum Beispiel an bestimmten Aktienkäufen. Und an einem so bisher nicht bekannten Deal Riehmers mit einem früheren Mitarbeiter. Zudem nahmen die Beamten Anstoß an einem Kredit, den das Geldhaus an Riehmer selbst vergeben hatte.
Der Banker, der sein Blatt so oft ausgereizt hatte, hat es anscheinend übertrieben, ist übers Ziel hinausgeschossen. Und steht mit miserablen Karten da.
Riehmers Start in die Finanzwelt beginnt maximal holprig: Nach dem Abitur schreibt er 15 Bewerbungen. Nur die Hamburger Sparkasse bietet ihm einen Ausbildungsplatz. Nach der Lehre ist Riehmer, Sohn eines Hamburger Anwalts, kurze Zeit arbeitslos, ehe ihn sein Hockeytalent zu Berenberg bringt: Das Bankhaus braucht Spieler für die firmeneigene Mannschaft, stellt Riehmer vor allem wegen seines sportlichen Könnens ein, hat das „Manager Magazin“ einst berichtet.
Riehmer nutzt die Chance, arbeitet sich mit Chuzpe und Beharrungskraft nach oben. Er nervt Kunden mitunter so lange, bis sie mit ihm ins Geschäft kommen. Und er hat Erfolg. 2007 rückt er in die Geschäftsführung auf, 2009 wird er einer der persönlich haftenden Gesellschafter. Was bedeutet, dass er nicht bloß Anteile hält. Sondern auch, dass er mit seinem Privatvermögen haftet, falls die Bank in Not geraten sollte.
Riehmer hemmt das nicht, im Gegenteil, Reiz und Risiko scheinen sich für ihn zu bedingen. Er baut das Investmentbanking aus, eine besonders einträgliche, aber auch riskante Art für eine Bank, ihre Geschäfte zu maximieren.

Privatbank
Ex-Chef der Berenberg Bank geht gegen Aufsicht BaFin vor
Hendrik Riehmer musste seinen Posten als Berenberg-Chef wegen der BaFin räumen. Jetzt wehrt sich der Manager gegen die außergewöhnliche Maßnahme. von Melanie Bergermann und Lukas Zdrzalek
Das gilt auch für eine insbesondere von Berenberg beherrschte Teildisziplin des Investmentbankings, das Assistieren bei Börsengängen von Unternehmen. Berenberg kann mit einem dieser Deals auf einen Schlag Millionen verdienen – oder verlieren. Warum? Weil Berenberg, so wie andere Banken auch, den Unternehmen mitunter garantiert, dass sie ihre Aktien zu festen Preisen loswerden: Fehlt es an Interesse, bleibt die Bank aber auf den Papieren sitzen. „Einen heißen Reifen“ sei Berenberg gefahren, sagt daher ein langjähriger Finanzaufseher.
Bestätigt sehen sich die Skeptiker des Riehmer-Kurses erstmals 2017, als die Staatsanwaltschaft Hamburg auf Geheiß der BaFin gegen Berenberg-Mitarbeiter ermittelt, die Börsenkurse manipuliert haben könnten. Die Behörde stellt ihre Untersuchungen später ein.
Nicht nur damit fällt die Bank auf, gerade im Vergleich zu anderen inhabergeführten Instituten, die maximal dezent daherkommen. Zu einer Berenberg-Feier 2015 fliegt Robbie Williams ein. 2017 macht ein Fotograf des „Manager Magazins“ ein Bild von Riehmer, das kein deutscher Banker zuvor so hat von sich schießen lassen: Der Manager mit seinen strähnigen, langen Haaren steht im Londoner Handelssaal von Berenberg auf einer Holzkiste im Halbdunkeln, ohne Jackett, mit den Händen in den Hosentaschen – es wirkt wie ein in Pixel gefasstes Glaubensbekenntnis zum angelsächsischen Finanzkapitalismus.
Robbie Williams flog zur Firmenfeier ein
So wenig Riehmer in die Privatbankenszene passt, so sehr passt dieser Auftritt zu ihm: forsch, fordernd, freimütig. 2017 unterstreicht er seinen Blick auf die Geschäftswelt mit dem flotten Satz: „Wenn du Mittelmaß um dich herum duldest, dann zieht es dich runter.“
Auch was Privates angeht, ist Riehmer offenherzig: Er spricht über seine ungewollte Kinderlosigkeit, die damit verbundenen Depressionen. Und schiebt nach: „Die Bank ist wohl meine Zwangskompensation.“ Und wie er kompensiert!
Hendrik geht beim Einstieg in Geschäfte, aber oft auch beim Ausstieg, viel zu aggressiv vor Ein Wegbegleiter über Hendrik Riehmer
Berenberg mischt viele Jahre bei Dutzenden Börsengängen mit, sekundiert Hapag-Lloyd, der Trucksparte von Daimler, jungen Techunternehmen. Schon 2017 erzielt Berenberg eine Eigenkapitalrendite von 96 Prozent vor Steuern – ein von einer deutschen Bank bis heute unerreichter Wert. Und 2021 beträgt der Gewinn 170 Millionen Euro, fast dreimal so viel wie 2007 – Rekord. Hendrik Riehmer, der Sparkassenlehrling, hat es allen gezeigt.
Sein Erfolg überdeckt, was einigen früh auffällt: Riehmer neigt zu extremen Entscheidungen. Einerseits kann die Bank so Chancen nutzen, die andere sich entgehen lassen. Immerhin: „Jede zehnte Idee war genial“, sagt ein Ex-Untergebener.
Andererseits: „Hendrik geht beim Einstieg in Geschäfte, aber oft auch beim Ausstieg, viel zu aggressiv vor“, sagt ein Wegbegleiter. Das gilt auch für Riehmers liebstes Geschäft: das Investmentbanking.

Berenbergs Ursprünge reichen bis 1590 zurück, der Stolz auf die große Historie prägt das Selbstbild der Bank. Foto: AP
Die Sparte expandiert ab Ende der 2010er-Jahre in den USA. Und zwar rasant. Riehmer erhöht die Mitarbeiteranzahl binnen weniger Jahre von einigen Dutzend auf 150. Seine 450 Quadratmeter große Dependance in New York gibt Berenberg auf, mietet stattdessen ein 3000 Quadratmeter großes Domizil in der obersten Etage eines Wolkenkratzers an der Avenue of the Americas an. „Der Blick war gigantisch“, sagt einer, der mal dort war: „Man könnte meinen, Riehmer wollte die New Yorker Hedgefonds beeindrucken.“
Der Ukraine-Krieg, die hohe Inflation und die teurere Energie bedingen, dass das Geschäft mit Börsengängen einbricht: Die Bank wirft im ersten Schwung 50 Mitarbeiter raus. „Brutal“ war das, sagt damals ein Mitarbeiter. Überwinden kann Berenberg dieses Tief nie wieder. Heute arbeiten in New York 35 Angestellte.
Ähnlich läuft es in der Vermögensverwaltung: Sie soll Geld von Kunden mehren und das Haus weniger abhängig vom Investmentbanking machen. Aber die Bank bleibt unter Riehmer in einem zentralen Bereich der Vermögensverwaltung, dem Fondsgeschäft, bei ihrem beschränkten Angebot, bietet Kunden vor allem zwei Arten von Fonds an: entweder mit Fokus auf kleine, börsennotierte Unternehmen oder sogenannte Quality-Growth-Aktien. Zugleich heuert die Vermögensverwaltung „super viele Leute“ an, sagt ein Kenner, um Kunden zu werben. Die Bank mietet auch größere Büros, etwa in München.
„Typisch Riehmer: Er setzt alles auf eine Karte“
Das Problem: Nachdem die zwei Anlagestile im Fondsgeschäft ein gutes Jahrzehnt ob ihrer Renditen viele Kunden angezogen haben, fallen die Gewinne nun plötzlich mager aus. Alternativen aber kann Berenberg nicht bieten, die Kunden ziehen Gelder ab (die WirtschaftsWoche berichtete hier darüber).
Typisch Riehmer: Er setzt alles auf eine Karte Ein Insider
In Personalfragen lässt Riehmer es an Langmut mangeln: In der zweiten Jahreshälfte 2025 trennt sich die Bank nahezu von der gesamten Führung der Vermögensverwaltung, darunter Branchengrößen wie Matthias Born und Klaus Naeve.
Riehmer ersetzt die Entlassenen durch Frederik Gottlob, einen als talentiert geltenden Mittdreißiger ohne große Erfahrung in der Vermögensverwaltung, dem er zuvor schon die Leitung einer anderen Sparte übertragen hatte. „Typisch Riehmer: Er setzt alles auf eine Karte“, sagt ein Insider. Unterdessen verlassen auch wieder einige der für die Vermögensverwaltung angeworbenen Kräfte niedrigen Ranges das Haus.
Und so entsteht bei Kundigen und Untergebenen der Eindruck: Die extremen Entscheidungen Riehmers – sie erfolgen in immer kürzerer Taktung. Insider führen das auf die veränderte Machtbalance in der Bank zurück.
Nachdem sein langjähriger Co-Geschäftsführer Hans-Walter Peters 2020 aus der Geschäftsführung ausschied, habe ein Korrektiv gefehlt. Zwar verlässt Peters die Bank nicht, wechselt aber in den Verwaltungsrat, um Riehmer zu überwachen. Doch über die eigentlichen Geschäfte entscheidet Riehmer fortan mit seinen Co-Geschäftsführern David Mortlock und Christian Kühn, die als seine Ziehsöhne gelten.
Riehmer ist jetzt also die Bank. Und die Bank ist Riehmer. Und bei Angestellten verfestigt sich das Bild, er nutze Freiheiten mitunter auch.

Berenberg Bank
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Schon 2022 verordnet Riehmers Bank den Mitarbeitern die Rückkehr aus dem Homeoffice: Sie müssen zu 100 Prozent im Büro arbeiten – eine weitere extreme Entscheidung. Riehmer selbst bekommen die Angestellten nur selten zu Gesicht, weder in Hamburg oder Frankfurt, noch in London oder New York. Stattdessen gewinnen Untergebene den Eindruck, Riehmer arbeite häufig von seiner Privatimmobilie im Großraum Miami im US-Bundesstaat Florida aus. „Manchmal dachte ich, der führt die Bank am Telefon“, erzählt einer.
Immobiliendeal mit einem Ex-Mitarbeiter
Vermutlich wären Homeofficepflicht und Miamivorliebe dennoch nicht mal als Fußnoten in die Berenberg-Annalen eingegangen, wenn nicht auch an anderer Stelle der Eindruck entstanden wäre, Riehmer nutze Freiheiten zu sehr im eigenen Interesse: bei den Wirtschaftsprüfern von Deloitte und EY sowie den Beamten der Finanzaufsicht BaFin.
Als Wirtschaftsprüfer von Deloitte Berenbergs Jahresabschluss 2025 prüfen, stoßen sie auf Vorgänge, die bei ihnen Fragen aufwerfen. So weit, so üblich, das ist schließlich ihr Job. Unüblich ist, dass die Antworten der Berenberg-Führung die Deloitte-Experten offenbar nicht zufriedenstellen. Sie alarmieren den Prüfungsausschuss des Verwaltungsrats, der einen weiteren Prüfer, EY, mit einer Sonderuntersuchung beauftragt. Das Resultat sei nach Angaben der Bank eindeutig ausgefallen: Riehmer und Co. hätten versucht, das Ergebnis und die Bilanz zu schönen, nicht bloß mit einer, sondern mit gleich einer Reihe von Transaktionen. Der BaFin sei deshalb kaum etwas anderes übrig geblieben, als die komplette Führungsriege zu entmachten.
So soll die Bank Gewinne damit erzielt haben, dass sie Aktien hin- und herbuchte, ohne dass die Papiere an einen Dritten verkauft wurden. Außerdem soll sie einzelne Börsengeschäfte abgeschlossen und den Gewinn daraus sofort verbucht haben, obwohl dieser in Wahrheit erst später anfiel. Und dann war da noch der rätselhafte Deal um die Entwicklungsgesellschaft IpaCopa.
IpaCopa. Die Immobiliengesellschaft hat im Auftrag der Bank deren neue Hamburger Zentrale errichtet. Neben weiteren Gesellschaftern lagen 50 Prozent der Anteile bei der Bank selbst. Berenberg verkaufte den Großteil dieser Anteile aber kurz vor dem Jahreswechsel 2026, dennoch sollten dem Geldhaus auch danach fast 50 Prozent der Gewinne dieser Gesellschaft zufließen. Der Erwerber der Anteile: ein früherer Berenberg-Mitarbeiter, der bereits 2010 in Rente gegangen war und früher als Vertrauter von Riehmer galt.
Und so besteht auch hier der Verdacht, dass der Deal nur erfolgte, um die Berenberg-Bilanz zu schonen: Die IpaCopa hatte ihr Eigenkapital bis Ende 2025 aufgebraucht und saß auf hohen Schulden, was Berenberg in den eigenen Zahlen hätte darstellen müssen. Mit dem Teilverkauf an den Ex-Mitarbeiter wollten die Banker diesen unerwünschten Effekt womöglich reduzieren.
Bank vergab heiklen Kredit an den Ex-Chef
Warum nur ging Riehmer solche Deals ein? Hätte er nicht wissen können, ja müssen, dass derartige Geschäfte Nachfragen zur Folge haben würden? Zumal sie wohl nicht notwendig gewesen wären, um die Existenz des Geldhauses zu wahren: Am Dienstag teilte Berenberg mit, 2025 trotz des Trubels und bereinigt um die Tricksereien einen Gewinn von 20 Millionen Euro erzielt zu haben.

Privatbank
Diese vier Vorfälle halten die Berenberg-Prüfer für fragwürdig
Zweifelhafte Aktiengeschäfte und ein Immobilienprojekt sind wohl der Grund, dass die BaFin bei der Berenberg Bank durchgegriffen hat. Das geht aus einer internen Unterlage hervor. von Melanie Bergermann
Klar: Das ist nur ein Viertel des Vorjahresgewinns. Dennoch wäre manch ein Wettbewerber froh, solch einen Überschuss vermelden zu können. Konnte Riemer es nicht ertragen, einen derartigen Gewinnrückgang zu vermelden? Und hat er darüber den Sinn dafür verloren, was angemessen ist und was nicht?
Die Prüfer stießen bei ihren Untersuchungen zusätzlich zu den fragwürdigen Deals auf einen Vorgang, der es nahelegt, die letzte Frage zu bejahen: Demnach vergab die Bank auch einen Kredit an Riehmer selbst, dem die anderen beiden Co-Chefs zugestimmt hatten. Einer Genehmigung des Verwaltungsrats bedurfte es nicht.
Solche Darlehen sind weder untypisch noch verboten. Geldhäuser müssen dabei aber strenge Regeln befolgen, damit keine Interessenkonflikte entstehen. In der Branche ist die Brisanz derartiger Darlehen zudem bekannt: Seit dem Untergang der Privatbank Sal. Oppenheim, der eng mit Krediten an die eigene Führungsriege verknüpft war.
Riehmer wehrt sich gegen Aufsicht BaFin
Deshalb müssen die Kredite so gestaltet sein, als würden sie an gewöhnliche Kunden ausgereicht: Sie dürfen weder besonders günstig noch schlecht besichert sein. Berenberg selbst schreibt in einer Veröffentlichung in dieser Woche, Kredite an frühere Geschäftsführungsmitglieder hätten diesem Anspruch aber nicht genügt, sie hätten „Einschränkungen insbesondere hinsichtlich der Marktgerechtigkeit“ aufgewiesen.
Mit anderen Worten: Die Konditionen, mit denen sich Riehmer bei seiner eigenen Bank finanzierte, könnten besser gewesen sein, als sie hätten sein dürfen.
Die BaFin möchte sich zu den Krediten ebenso wenig äußern wie zu anderen Fragen. Berenberg lehnte eine Stellungnahme ebenfalls ab. Lediglich Riehmers ehemaliger Co-Chef Christian Kühn äußerte sich: Er habe „seine Pflichten als persönlich haftender Gesellschafter der Bank stets gewissenhaft erfüllt“.
Unterdessen versucht die Bank, so etwas wie Normalität zu annoncieren: Übergangsweise leitet nun wieder der vorherige Verwaltungsratschef Hans-Walter Peters das Institut. Die Aufsicht BaFin hat ihn und einen weiteren Manager eingesetzt, bis Ersatz gefunden ist.
Die geschassten Berenberg-Manager haben angekündigt, sich gegen die BaFin zu wehren. Es könnte der Beginn einer Schlammschlacht sein: Riehmer soll in seiner Replik an die Behörde jedenfalls ordentlich gegen seinen früheren Kompagnon Peters ausgeteilt haben. Ob er damit Erfolg hat?
So oder so: In den Genuss eines Flugs mit der hauseigenen Falcon 7X dürfte er vorerst nicht kommen.