„Hart aber fair“: In der ARD herrscht die große Ratlosigkeit zum AfD‑Aufstieg
KI-Stimme. InfoEs ist wahrlich kein neues Thema bei einer Talkshow und trotzdem so aktuell wie nie: Warum wird die AfD immer stärker und was können andere Parteien ihr entgegensetzen? Die Umfragen in Sachsen-An...
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KI-Stimme. Info
Es ist wahrlich kein neues Thema bei einer Talkshow und trotzdem so aktuell wie nie: Warum wird die AfD immer stärker und was können andere Parteien ihr entgegensetzen? Die Umfragen in Sachsen-Anhalt sehen die Partei in neue Dimensionen vorstoßen und lassen sie sogar von der absoluten Mehrheit im Landesparlament träumen.
Der Runde bei Louis Klamroth ist immer wieder die Ratlosigkeit anzumerken. Eine Argumentation, die immer wieder zu hören ist, geht in die Richtung: So schlecht geht es uns doch gar nicht. „Monchi“, der Sänger der Band „Feine Sahne Fischfilet“, drückt das auf seine eigene Weise aus: „Wir leben verfickt nochmal im Paradies“.
Die Professorin für Neuere Geschichte, Hedwig Richter, hat ebenfalls wenig Verständnis für das negative Bild, das die AfD von Deutschland zeichnet: „Die Menschen stehen ja da, als ob ein furchtbares Unglück passiert wäre, als ob gerade der Atomschlag gewesen wäre. Aber das sind ganz normale Probleme und keine Gründe, um eine rechtsextreme Partei zu wählen.“
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„Hart aber fair“ über die AfD: „Die hemmungslose Bereitschaft, sich in den eigenen Fuß zu schießen“
Das sehen viele Menschen in Aschersleben offenbar anders. Dort war Louis Klamroth unterwegs und fing viele unzufriedene Stimmen ein. Die AfD würden manche dort wählen, „damit sich was ändert“, „weil die etwas anders machen“ oder weil es „einen Versuch wert ist“.
Offenbar leben diese Menschen nicht im „Paradies“, sodass schon bei der Wahrnehmung des aktuellen Zustands des Landes fast unüberwindbare Gräben klaffen. Einer hat auch ein handfestes Problem: Er musste vier Monate auf eine Operation im Krankenhaus warten.
Laut dem Politikchef von RTL, Nikolaus Blome, zeige diese Aussage „die hemmungslose Bereitschaft, sich in den eigenen Fuß zu schießen“. Denn wie Blome erklärt, ist jeder vierte Klinikarzt Ausländer. Die AfD hetze aber gegen sogenannte „kulturfremde Ärzte“, die „eine Gefahr für das Patientenwohl darstellten.“
AfD als unverbrauchte Kraft im Vorteil
Monchi wirft ein: „Selbst wenn die sich selber ins Knie ficken, sagen sie: Das gehört dazu“, womit er durchaus einen Punkt trifft. Blomes Ansatz, die Auswirkungen der AfD-Politik zu beschreiben und davor zu warnen, stößt nämlich an Grenzen.
Blome selbst scheint das zu wissen, als er erklärt, warum viele trotzdem der AfD das Vertrauen schenken werden: „Die anderen haben ja schon bewiesen, dass sie es allesamt nicht können.“ Die AfD habe als unverbrauchte Kraft da einen Vorteil.
Dass die AfD noch keine Verantwortung tragen musste, liegt auch an der Brandmauer. Auch deren Sinn oder Unsinn ist wieder Thema. Die Zerrissenheit, die wohl viele Menschen bei diesem Thema spüren, bringt die Autorin Carolin Matzko auf den Punkt: „Ich will auch keine Brandmauer gegenüber meinen Mitmenschen haben. Ich unterscheide da, aber wenn es natürlich ganz klar gegen unsere Werte geht, gegen das Grundgesetz, dann muss eine Brandmauer stehen.“
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AfD stark – trotz erfolgreicher Kommunalpolitik
Die Brandmauer hält der Kommunalpolitiker und Bürgermeister von Gartz, Luca Piwodda, sowieso für überholt. Auf kommunaler Ebene gebe es die ohnehin nicht. Für ihn zähle vor allem „Sachpolitik in Kombination mit Präsenz“.
Denn die AfD stoße überall dort in die Lücken, wo klassische Parteien nicht mehr stattfinden und sorge dort mit Grillfesten und einem „Gute-Laune-Wahlkampf“ dafür, dass sich Menschen wieder gesehen fühlen.
Wenn aber vor Ort jemand anderes anpacke und sich um die Probleme kümmere, dann sei die AfD kleinzuhalten. So konnte zumindest er mit seiner unbelasteten „Partei des Fortschritts“ die Menschen in Gartz überzeugen.
Hintergründe zur Wahl in Sachsen-Anhalt – für Sie recherchiert
Punk-Sänger Monchi über alte Klassenkameraden: „Och ne, nicht du auch noch“
Er habe zuerst einen Kulturverein gegründet, der konkrete Angebote gemacht habe und so für die Gemeinde etwas zum Positiven verändert habe. Die Wahl zum Bürgermeister habe sich erst danach entwickelt.
Was Piwodda erzählt, klingt erst gut, doch dann fragt Monchi ihn nach dem Wahlergebnis der AfD bei der Bundestagswahl. Ernüchternde 54 Prozent. Trotz eines offenbar beliebten Bürgermeisters, der sich gegen die AfD stellt und mit Sachpolitik und Präsenz zu überzeugen weiß.
Monchi erzählt aus seiner Gemeinde Ähnliches. Er lege sich dort ins Zeug, indem er Feste organisiere und viel in die Gemeinschaft investiere. Trotzdem steigen auch bei ihm die Wahlergebnisse der AfD scheinbar unaufhaltsam. Emotional berichtet er von Begegnungen mit alten Klassenkameraden, bei denen er nur sagen könne: „Och ne, nicht du auch noch.“
Viele Ansätze, doch keiner fruchtet so wirklich
Und so scheint keines der Mittel bislang zu verfangen: Weder Monchi, der den Dialog sucht, noch Blomes kühle Analysen. Weder Richters Botschaft, dass es dem Land doch gar nicht so schlecht gehe, noch Piwoddas konkretes Anpacken der Probleme vor Ort.
Immerhin scheint Klamroth selbst das am Ende seiner Sendung zu bemerken und sucht deshalb nach einem Silberstreif: „Wir haben heute über vieles diskutiert, was schwer ist“, so der Moderator, der seine letzte Frage wieder an Monchi richtet: „Was macht dir denn Hoffnung?“
Monchi erzählt von seinem Engagement vor Ort, bei dem er gemeinsam mit Vereinen ein Fest auf die Beine stelle: „Das sind Momente, die mir Kraft geben und zeigen: Hier geht die Welt noch nicht unter.“ Dann schließt er die Sendung mit einem seiner emotionalen Appelle: „Die schlechten Tage kommen sowieso, aber die guten muss man sich selber erschaffen.“