„Müssen nicht hinhören“: Bayern-Boss räumt mit Audi-Gerüchten auf – und nimmt Bundesligisten in die Pflicht
tzSportFC BayernStand: 31.07.2026, 18:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDer FC Bayern geht mal wieder auf Sommer-Tour – als einer von zwei Bundesligisten. Marketing-Boss Rouven Kaspar spricht Klartext.Am Sam...
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Stand: 31.07.2026, 18:00 Uhr
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Der FC Bayern geht mal wieder auf Sommer-Tour – als einer von zwei Bundesligisten. Marketing-Boss Rouven Kaspar spricht Klartext.
Am Samstag hebt der Sonderflug des FC Bayern in Richtung Jeju ab – Startschuss für die zehnte „Audi Summer Tour“. Sieben Tage, zwei Länder, eine Menge Termine: Im ersten großen Interview als Vorstand Marketing und Vertrieb spricht Rouven Kasper (44) über Chancen und Herausforderungen der Jubiläums-Tour.
Herr Kasper, müssen Sie über den Begriff „Sommerpause“ schmunzeln?
Ja, schon. Eine wohlverdiente Sommerpause haben die Trainer und Spieler, sofern sie nicht bei einer WM oder EM am Ball sind – aber beim FC Bayern insgesamt müssen wir für ein Dauerrauschen sorgen: Man schaltet nie ab. Jetzt steht zum Beispiel die Audi Summer Tour an, da hat man im Vorfeld natürlich alles andere als Pause. Aber mir macht das alles 24/7 Spaß. Und meine Familie kennt es zum Glück nicht anders (lacht).
Die Hälfte der weltweit FC-Bayern-Interessierten kommt aus Asien
Auf was für eine Tour können sich Spieler und Fans einstellen?
Auf eine sehr vielfältige Tour. Asien ist kulturell ja sowieso immer sehr spannend. Die Rückkehr nach Südkorea, diesmal nach Jeju nach dem Besuch von Seoul vor zwei Jahren, ist für uns strategisch sehr interessant. Das ist das beliebteste Urlaubsdomizil der Koreaner: Die Insel wird häufiger angeflogen als Mallorca von Deutschland aus. Es ist toll, dass wir diese andere Facette des Landes in den Fokus rücken. Hongkong ist dann ein weiteres Highlight, eine einzigartige Weltmetropole.
Sie sind seit Januar im Amt. Wie viel Rouven Kasper steckt schon in der Jubiläums-Tour?
Es ist ein Gemeinschaftswerk, wie alles beim FC Bayern. Ohne Teamwork keine Performance. Aufgrund meiner Vita habe ich nach Asien einfach noch ein paar direktere Drähte, weil ich für den FC Bayern das Office in Shanghai geleitet habe und auch beim VfB Stuttgart als Marketingvorstand die Internationalisierung verantwortet habe. Generell lebt so eine Tour vom Input und der Expertise von vielen verschiedenen Personen, sowas ist nie ein Alleingang.
Wie wägt man das optimale Ziel aus: Länderhopping vs. Kontaktpflege?
Wir haben eine klare Strategie, auf deren Basis wir entscheiden. Man kann auch mal punktuell einzelne Länder bereisen, aber bei einer Summer Tour geht es darum, die zuvor gemeinsam mit unserem Partner Audi definierten Zielmärkte zu erschließen, weil wir dort großes Potenzial sehen. Beispiel Südkorea: Hier können Beziehungen nachhaltig wachsen, daher ist es sinnig für uns, diesen Markt kontinuierlich zu bespielen.
Der Markt gilt als dynamisch, sehr jung, innovativ. Wie wird der FC Bayern vor Ort gesehen?
Südkorea ist in Asien das Land, das am schnellsten wächst. Kultur, Sport, Technologie: Das ist sehr, sehr spannend. Zudem haben wir den Vorteil, in Minjae Kim einen echten kulturellen Anker zu haben.
Kreischalarm?
Wer schon mal in Asien war, weiß, dass Begeisterung dort lauter ausgedrückt wird als bei uns. Die Hälfte der weltweit FC-Bayern-Interessierten kommt aus Asien, wir haben dort über 60 Millionen Follower auf Social Media, unsere Social-Media-Kanäle wachsen qualitativ und quantitativ. Und wissen Sie, was die Asiaten an uns lieben?
Bitte!
Das traditionell, typisch deutsch Verwurzelte. Berge, Seen, Oktoberfest: Das kommt an, weil ihre Welt doch eine gewisse Schnelligkeit hat. Unsere Welt hat für die Menschen in Asien eine gewisse Romantik. Gleichzeitig schätzt man dort die deutsche Effizienz und Seriosität.
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Wie viel bayerisches Flair erträgt Asien, wie viel Asien erträgt Bayern?
Durch unsere drei Büros vor Ort in Shanghai, Bangkok und Seoul haben wir die Möglichkeit, uns fortlaufend Erfahrungswerte zu verschaffen. Die Büros sind unsere Sensoren: Wir wollen vor Ort sein, weil wir wissen wollen, was die Menschen in ihren Heimatregionen bewegt. Es geht uns nicht um kurzfristige Aufmerksamkeit, sondern um eine authentische Annäherung. So entstehen eine emotionale Nähe und langfristig tragfähige Netzwerke. Wir wollen unsere Werte und unsere DNA identitätstreu transportieren, aber kulturell interpretieren. So eine Tour ist voller unterschiedlichster Termine. In den acht Tagen werden wir wie immer auf solchen Reisen das Maximale umsetzen.
Haben Sie jedes WM-Aus eines Bayern-Spielers positiver sehen können als Ihre Kollegen?
Wenn die deutsche Nationalmannschaft früh aus einer WM ausscheidet, ist das für den deutschen Fußball insgesamt alles andere als ideal. Als ich 2016 nach Asien gegangen bin, war Deutschland Weltmeister – und angesagt wie kaum eine andere Nation. Seitdem haben sich die Dinge verlagert, so ehrlich muss man sein. Aber trotzdem sind deutsche Nationalspieler wie Manuel Neuer, Joshua Kimmich oder Aleks Pavlovic auf so einer Tour natürlich Persönlichkeiten, die die Fans begeistern. Wir haben außerdem Nathaniel Brown als Neuzugang dabei, Minjae Kim bei seinem Heimspiel, Luis Diaz, Hiroki Ito, Josip Stanisic, Konrad Laimer – wir kommen mit vielen WM-Fahrern nach Asien, die den FC Bayern vertreten werden.
Sie sind nicht nur Marketing-, sondern Asien-Experte. Das große Pfund des FC Bayern?
Internationalisierung betreibt man jeden Tag. Ich habe das Thema schon in meiner ersten Zeit beim FC Bayern mitgestaltet und möchte es weiterentwickeln. Das wird jetzt die zehnte Audi Summer Tour des FC Bayern – das ist auch ein Symbol: Zum einen zeigt das, wie nachhaltig der Verein dieses Thema umsetzt, zum anderen steht die 10 im Fußball dafür, Impulse zu geben, Menschen miteinander zu verbinden und Dinge voranzutreiben. Ich sage es mal laut und deutlich: Der FC Bayern ist bei der Internationalisierung seit Jahren die Speerspitze der Bundesliga.
Heuer waren nur wenige Bundesligisten unterwegs.
Nach der Saison war Leipzig auf Reisen, außer uns ist in diesem Sommer nur Dortmund unterwegs, im September fliegt Paderborn in die USA. Das ist viel zu wenig! Die Bundesligisten müssen weitsichtiger denken. Die Engländer gehen raus in die Welt – das heißt auch für die deutschen Klubs, dass sie aktiv sein müssen. Man kann nicht zuhause bleiben und sich dann beschweren, dass die Einnahmen sinken. Wenn du nichts machst, dann kommt halt auch nichts.
Bayern-Boss nimmt Bundesligisten in die Pflicht
Ähnliche Worte wählte Jan-Christian Dreesen auf der JHV 2025. Kommt der Appell nicht an?
Bisher nicht. Der FC Bayern ist Pionier und Impulsgeber für die internationale Vermarktung der Bundesliga, und wir wünschen uns mehr gemeinsames Engagement der Liga und ihrer Klubs, um global konkurrenzfähig zu bleiben. Der deutsche Fußball, die Bundesliga brauchen mehr Sichtbarkeit. Wir wollen im deutschen wie internationalen Fußball Dinge entwickeln, das bedeutet, nicht stehen zu bleiben und Grenzen immer weiter zu verschieben.
Haben Sie Lösungsvorschläge?
Es ist leider Fakt, dass die Medienerlöse beispielsweise in den USA und Japan aktuell rückläufig sind – aber umso mehr muss die Liga eben mit uns gemeinsam strategische Mechanismen finden, um Aktivitäten zu pushen. Bayern München kann nicht überall hinreisen. Wir müssen als Liga agieren und auch kleine Märkte bearbeiten. Auch ein Medienmarkt in Polen oder den nordischen Ländern ist relevant, um mal Beispiele zu nennen. Das alles geht über Förderung und Motivation, sprich: finanzieller Anreiz.
An welche Märkte denken Sie für den FC Bayern?
Unsere Zielmärkte sind klar definiert. In Amerika hatten wir bisher den Fokus auf Nord- und Mittelamerika, Südamerika aber wird immer spannender. Asien ist ebenso klar, auch auf Indien, Indonesien, Thailand sollte man schauen. Wir müssen da auch punktuell Neues ausprobieren.
Muss man auch frühere Denkverbote überdenken – zum Beispiel einen „Klassiker“ in Australien?
Man sollte sich im Nachdenken nie limitieren - aber es gibt rote Linien. Ein „Klassiker“ in Australien ist nicht der deutsche Fußball. Für große Spiele in anderen Ländern gibt es Sommer-Touren.
In Stuttgart haben Sie zum Abschied gesagt: „Der schwäbische Bizeps ist knüppelhart.“ Wie steht es um den bayerischen?
Ich habe versucht, einiges aus München nach Stuttgart zu übertragen – und ich hoffe, dass es ein wenig nachhallt. Aber in München steckt natürlich eine ganz andere Power – verbunden mit ganz anderen Möglichkeiten, Themen zu bewegen.
Wie beunruhigend sind die Ausstiegs-Gerüchte, die man seitens Audi vernimmt?
Für uns überhaupt nicht beunruhigend. Wir sind sehr happy mit der Partnerschaft – und wissen: Audi geht’s genau gleich. Die gelebte Partnerschaft ist stabil, die Überzeugung von Audi groß. Auch wenn wir es nicht gebraucht hätten: Wir haben sofort an dem Tag der Gerüchte die Info bekommen, dass wir gar nicht erst hinhören müssen.
Dann wagen wir doch mal den Blick ins Jahr 2030. Mit drei Thesen: „Der FC Bayern ist bis dahin auch in Südamerika – und vor allem Brasilien – gewesen.“
Südamerika finden wir gut.
„Der FC Bayern wird einen zweite 100-Mio-Euro-Transfer getätigt haben.“
Netter Versuch. Aber das ist ein Thema für die, die bei uns für Transfers zuständig sind.
„Rouven Kasper hat seine erste Triple-Sieg-Zigarre geraucht.“
Dem Triple würde ich mich auf jeden Fall nicht verwehren (lächelt).
Interview: Hanna Raif