Junge Auslandschweizer entdecken ihre Wurzeln
Sie besitzen einen Schweizer Pass, leben aber im Ausland: 30 Jugendliche aus Ländern wie Kanada, Thailand, den USA oder Australien verbringen ihre Sommerferien im Jugendlager der Auslandschweizer-Organisation (ASO) in Yverdon-les-Bains. Nach Stationen im Berner Oberland und einer Gummibootsfahrt auf der Aare erleben sie nun den Lageralltag am Neuenburgersee. Wie fühlt sich die Schweiz an, wenn man sie bisher vor allem aus Erzählungen der Eltern oder Grosseltern kennt? Welche Traditionen über
- 4 min read
Auf bestem Weg zum Bünzli Junge Auslandschweizer entdecken ihre Wurzeln
Leben fernab der Heimat: Im Sommerlager in Hasliberg und Yverdon-les-Bains lernen junge Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer ihr Herkunftsland kennen.
01.08.2026, 16:03
Teilen
Es ist ein heisser Sommertag in Yverdon-les-Bains, der Neuenburgersee glitzert in der Vormittagssonne. Ein paar Meter vom Ufer liegt das Pfadiheim, in dem rund 30 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer die Woche miteinander verbringen.
Einer davon ist der 17-jährige Levy. Er lebt seit 15 Jahren in New Jersey, spricht nebst Englisch auch fliessend St. Galler Dialekt. «Es war so schön, die ganze Schweiz mit dem Wasser und den Bergen zu sehen», erzählt er begeistert.
Levy wohnt mit seiner Familie in New Jersey im Nordosten der USA. Tina lebt in Chiang Mai, einer Grossstadt im Norden Thailands.
SRF/Rouven Born
Besonders beeindruckt hat ihn das Bundeshaus. Im Vergleich zum Weissen Haus in Washington findet er das Schweizer Polit-Zentrum sogar «besser», weil man es besichtigen könne.
Die Natur und die Berge haben auch der 16-jährigen Alice aus Berlin Eindruck gemacht. «Ich nehme ganz schön viele Fotos von den Landschaften mit nach Hause», meint sie lachend.
Warum die Teenies den ÖV feiern
Nach einer ersten Woche in Hasliberg im Berner Oberland wechselten die Jugendlichen in die Romandie, wo am Samstag der Lagerabschluss ansteht. Im zweiwöchigen Sommerlager «Berg und See» der Auslandschweizer-Organisation ASO erleben die Jugendlichen ihre Heimat teils zum ersten Mal hautnah.
Anfang Bildergalerie
Bildergalerie überspringen
-
Bild 1 von 2. Schweizerdeutsch, Französisch, Englisch – im Sommerlager der ASO treffen unterschiedliche Sprachen aufeinander.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 2. Die 30 Jugendlichen verbringen ihre zwei Wochen mit Gruppenspielen, Ausflügen und dem einen oder anderen Bad im See.
Bildquelle: SRF.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
So bot die Reise auch für den 17-jährigen Leon neue Eindrücke. Besonders bemerkenswert fand er den öffentlichen Verkehr, den er von seinem Zuhause auf Mallorca nicht gewohnt ist.
«Ich bin fast noch nie mit dem ÖV gefahren», gesteht Leon. «Er ist sehr zuverlässig, fast immer pünktlich, und man kann sich damit super durch die ganze Schweiz bewegen.»
Leon (rechts) besucht das Lager gemeinsam mit seiner Schwester.
Rouven Born
Leons Freunde in Spanien verbinden mit der Schweiz vorwiegend Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Effizienz und das Streben nach Perfektion. Attribute, die auch im Lageralltag eine Rolle spielten – wenn auch manchmal auf unerwartete Weise.
Cervelat bräteln und Freundschaften schliessen
Lagerleiter Clément de Vaulchier berichtet schmunzelnd von einer ganz besonderen Schweizer Eigenheit, die bei den Jugendlichen für Gesprächsstoff sorgte: «Dass man abends nach 22 Uhr draussen keinen Lärm mehr machen darf, war für die Jugendlichen aus den USA unglaublich.»
De Vaulchier ist es wichtig, dass die Jugendlichen sich nach dem Lager verbundener mit der Schweiz fühlen. Und wie geht das besser, als über den Magen? Nebst Cervelat vom Grill landeten Zürigschnätzlets, Hörnli und Ghackets sowie Rösti auf dem Teller.
Im Lager sind Freundschaften entstanden, die hoffentlich unser ganzes Leben halten.
Dass Essen Heimatgefühle hervorrufen kann, weiss auch Tina aus dem thailändischen Chiang Mai. Ihr Vater kommt aus Zürich, mit ihm spricht sie zu Hause Schweizerdeutsch. «Am 1. August gehen wir manchmal in ein Schweizer Restaurant, um Cervelat, Fondue und Raclette zu essen.»
Was macht die Auslandschweizer-Organisation?
Box aufklappen Box zuklappen
Keystone/Urs Flueeler
Die ASO ist die offizielle Interessensvertretung aller Schweizerinnen und Schweizer im Ausland. Sie versteht sich als politisch und konfessionell neutrale, unabhängige Stiftung.
- Sie setzt sich in der Politik und der Öffentlichkeit für die Anliegen der Auslandschweizerinnen und -schweizer ein.
- Sie informiert ihre Mitglieder über das politische und gesellschaftliche Geschehen in der Schweiz, beispielsweise mit dem Magazin «Schweizer Revue».
- Sie unterstützt ihre Mitglieder beratend bei Themen rund um das Auswandern, das Leben im Ausland oder die Rückkehr in die Schweiz.
Das zweiwöchige Sommerlager der ASO soll die Heimatgefühle in den Jugendlichen wecken und ihre Verbundenheit mit ihrem Herkunftsland stärken. Gleichzeitig lernen die jungen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer auch Gleichaltrige kennen, denen es ähnlich geht wie ihnen.
Anfang Bildergalerie
Bildergalerie überspringen
-
Bild 1 von 4. Die ASO organisiert solche Sommerlager schon seit über 100 Jahren: Hier zu sehen sind Eindrücke aus dem Jahr 2022.
Bildquelle: ZVG/ASO.
-
Bild 2 von 4. Damals fand das Lager in der idyllischen Gemeinde Fieschertal im Oberwallis statt.
Bildquelle: ZVG/ASO.
-
Bild 3 von 4. Im Sport- und Freizeitlager standen Aktivitäten wie Volleyballspielen oder Wandern auf dem Programm.
Bildquelle: ZVG/ASO.
-
Bild 4 von 4. An den Lagern teilnehmen können Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zwischen 15 und 17 Jahren.
Bildquelle: ZVG/ASO.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Bevor es zurück nach Hause geht, steht noch ein Discoabend an – für die Jugendlichen das Highlight des Sommerlagers. Gleichzeitig bedeutet er auch, dass sie bald Abschied nehmen müssen.
«Im Lager sind Freundschaften entstanden, die hoffentlich unser ganzes Leben lang halten. Wir haben alle gesagt, dass wir uns wiedersehen möchten», meint Leon. Und wer weiss: Vielleicht kreuzen sich ihre Wege ja wieder einmal – wenn nicht in der Schweiz, dann im Ausland.
Radio SRF 1, «Treffpunkt», 30.7.2026, 10 Uhr; herb