Atmos Space Cargo aus Lichtenau baut wiederverwendbare Kapsel für Fracht aus dem All

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Atmos Space Cargo aus Lichtenau baut wiederverwendbare Kapsel für Fracht aus dem All

Stand: 06.08.2026, 20:00 Uhr

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Atmos Space Cargo plant 2026 den ersten Einsatz von Phoenix 2. Die Kapsel soll bis zu 100 Kilogramm Fracht zurückbringen.

München – Während SpaceX wiederverwendbare Raumkapseln längst zum Geschäftsmodell gemacht hat, fehlte Europa bisher ein eigenes System für Fracht aus dem All. Atmos Space Cargo aus Lichtenau will diese Lücke mit Phoenix 2 schließen. Die deutsche Kapsel soll Experimente und technische Bauteile sicher zur Erde zurückbringen und anschließend erneut eingesetzt werden.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS

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Dazu baut das Unternehmen nach eigenen Angaben zunächst drei Kapseln des Typs Phoenix 2. Für die kleine Flotte hat das Startup aus Bayern 25,7 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Ein Teil des Geldes fließt außerdem in die größere Phoenix 3 und in einen neuen Geschäftsbereich für staatliche und militärische Aufträge.

Darstellung einer Frachtkapsel im Weltraum

Phoenix 2 soll bis zu 100 Kilogramm Fracht aus dem Erdorbit zurückbringen. Der aufblasbare Hitzeschild bremst die Kapsel beim Wiedereintritt ab und soll mehrfach nutzbar sein. © Atmos Space Cargo

Phoenix 2 soll bis zu 100 Kilogramm Nutzlast transportieren. Die deutsche Frachtkapsel kann nach Angaben des Unternehmens wenige Stunden oder mehrere Monate im niedrigen Orbit bleiben. Dort lassen sich wissenschaftliche Versuche durchführen oder Materialien unter Schwerelosigkeit herstellen.

Die Kapsel fliegt frei und benötigt deshalb keine Raumstation. Eigene Systeme liefern Strom, regeln die Temperatur und halten die Verbindung zur Bodenstation. Ein integrierter Antrieb steuert die Lage im All und leitet später die Rückkehr zur Erde ein. Atmos spricht von einem vollständig automatisierten Ablauf.

Die deutsche Frachtkapsel kehrt selbstständig zurück

Beim Wiedereintritt entfaltet Phoenix 2 einen aufblasbaren Hitzeschild. Atmos nennt das System „Inflatable Atmospheric Decelerator“, kurz IAD. Es dient zugleich als Schutzschild und als aerodynamische Bremse. Herkömmliche Kapseln nutzen oft Materialien, die bei der Rückkehr teilweise verbrennen.

Die Atmos-Konstruktion soll dagegen kaum Material verlieren. Das Unternehmen verspricht dadurch weniger Abfall und ein günstigeres Verhältnis zwischen Nutzlast und Gesamtgewicht. Zugleich soll das System die Flugbahn genauer kontrollieren. Nach der Landung könnte die Fracht rasch geborgen werden.

Die ersten Bergungseinsätze bereitet Atmos nahe der Azoreninsel Santa Maria vor. Portugal hat dafür bereits eine Lizenz erteilt. Sie erlaubt kommerzielle Wiedereintrittsmissionen unter der Zuständigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Union.

Erster kommerzieller Flug soll 2026 starten

Der erste Einsatz von Phoenix 2 ist für 2026 geplant. Die Kapsel soll mehrere Wochen im All bleiben. Einen konkreten Starttermin haben Atmos und der Partner Space Cargo Unlimited bislang nicht genannt. Er hängt vom Flugplan und der endgültigen Freigabe des Startanbieters ab.

Im Inneren befindet sich die Forschungsplattform BentoBox. Sie versorgt verschiedene Experimente mit Strom, überträgt Daten und steuert festgelegte Abläufe. Unternehmen und Forschungseinrichtungen können ihre Nutzlasten während des Fluges kontrollieren. Anschließend bringt Phoenix 2 die Versuche wieder zur Erde zurück.

Die Mission bildet den Auftakt für sieben geplante Flüge. „Diese erste Mission präsentiert nicht nur unsere Technik, sondern auch unser Geschäftsmodell“, sagt Nicolas Gaume, Mitgründer und Geschäftsführer von Space Cargo Unlimited. Ein großer Teil der verfügbaren Plätze sei bereits vergeben.

Atmos hatte im April 2025 den Prototyp Phoenix 1 ins All geschickt. Nun will das Unternehmen vom einzelnen Test zu regelmäßigen Einsätzen wechseln. Die drei geplanten Phoenix-2-Kapseln sollen unterschiedliche Aufträge für Forschung, Industrie und öffentliche Stellen übernehmen.

Phoenix 3 soll zehnmal mehr Fracht tragen

Parallel arbeitet das Unternehmen an Phoenix 3. Diese Kapsel soll rund eine Tonne Nutzlast aufnehmen. Damit wäre sie etwa zehnmal leistungsfähiger als Phoenix 2. Der aufblasbare Hitzeschild soll einen Durchmesser von 15 Metern erreichen.

Atmos plant Phoenix 3 für größere Bauteile und gemeinsame Missionen mehrerer Kunden. Auch staatliche und sicherheitsrelevante Aufträge kommen infrage. Über den neuen Bereich Atmos Works will das Unternehmen empfindliche Technik und Daten kontrolliert aus dem Orbit zurückbringen.

„Diese Finanzierung ermöglicht uns den Übergang zu einem regelmäßigen Betrieb“, sagt Atmos-Chef und Mitgründer Sebastian Klaus. Drei Kapseln sollen zunächst feste Abläufe schaffen und technische Risiken senken. Forschungseinrichtungen und Unternehmen könnten dadurch Missionen länger im Voraus buchen.

Das langfristige Geschäft liegt vor allem in der Produktion unter Schwerelosigkeit. Bestimmte Kristalle, Medikamente oder Werkstoffe lassen sich im All unter anderen Bedingungen herstellen als auf der Erde. Ohne eine zuverlässige Rückkehrkapsel bleiben solche Produkte jedoch im Orbit oder sind auf wenige bestehende Transportmöglichkeiten angewiesen.

Kurz zusammengefasst:

  • Atmos Space Cargo aus Lichtenau baut mit Phoenix 2 eine wiederverwendbare Kapsel, die bis zu 100 Kilogramm Fracht aus dem Erdorbit zurückholen soll.
  • Der erste kommerzielle Einsatz ist für 2026 geplant; insgesamt sind sieben Missionen mit Forschungs- und Produktionsaufträgen vorgesehen.
  • Mit 25,7 Millionen Euro Finanzierung will Atmos drei Phoenix-2-Kapseln bauen und parallel die größere Phoenix 3 für rund eine Tonne Nutzlast entwickeln.