Asendorf: Chaos um Patientenakten – jede Ausgabe dauert 20 Minuten
Hunderte Patienten wollten gestern ihre Akten aus der geschlossenen Asendorfer Hausarztpraxis abholen. Doch die digitalen Unterlagen müssen erst ausgedruckt werden – pro Person dauert das mindestens 20 Minuten.
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Stand: 04.08.2026, 18:20 Uhr
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Hunderte Patienten wollten Montag ihre Akten aus der geschlossenen Asendorfer Hausarztpraxis abholen. Doch die digitalen Unterlagen müssen erst ausgedruckt werden – pro Person dauert das mindestens 20 Minuten.
Asendorf – Hunderte Patienten wollten gestern die erste Möglichkeit nutzen, ihre Akten aus der geschlossenen Asendorfer Hausarztpraxis abzuholen. Viele von ihnen mussten die Praxis aber mit leeren Händen verlassen. „Das war chaotisch“, schildert eine Patientin gegenüber der Mediengruppe Kreiszeitung. Warum der erste Tag der Praxisabwicklung scheinbar unkoordiniert ablief, erklärt Dr. Frank Müller auf Nachfrage.
Praxis aus gesundheitlichen Gründen geschlossen
„Heute Morgen sind sehr viele Patientinnen und Patienten gleichzeitig zur Praxis gekommen. Dadurch kam es zu langen Wartezeiten, was wir insbesondere angesichts der hohen Temperaturen sehr bedauern“, teilt er im Namen seiner Frau mit. Dr. Silvia Müller-Gongoll musste die Praxis nach einer längeren Abwesenheit krankheitsbedingt kurzfristig schließen.
Da alle Patientenakten ausschließlich digital vorlägen, sei das Aushändigen mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden. „Die Akten müssen für die Herausgabe zunächst vollständig zusammengestellt und ausgedruckt werden“, erklärt Frank Müller das Prozedere. Das dauere nach Angaben der Praxismanagerin pro Person mindestens 20 Minuten. Da diese Information nicht bekannt war, hatten die Patienten angenommen, sie könnten ihre Akte direkt entgegennehmen. „Bei mehreren Hundert Anfragen ist eine spontane Ausgabe unmittelbar beim persönlichen Erscheinen innerhalb eines Vormittags organisatorisch nicht möglich“, erklärt Frank Müller jetzt.
Zusätzlich lägen etwa 500 Anfragen per E-Mail vor. Einige Patienten hätten die Bitte nach ihren Unterlagen seit Bekanntwerden der Mail-Adresse mehrfach abgeschickt und seien zum Teil zusätzlich auch in der Praxis erschienen. „Dadurch entsteht weiterer Bearbeitungsaufwand. Mehrfachanfragen beschleunigen die Bearbeitung nicht, sondern erhöhen den Aufwand zusätzlich“, teilt Frank Müller mit und bittet mit Nachdruck darum, von wiederholten Anfragen abzusehen. „Wir arbeiten alle Mails nach und nach ab“, verspricht er auf Nachfrage.
Nach den Erfahrungen und Rückmeldungen gestern erhielten Patienten jetzt eine angepasste automatische Nachricht, wenn ihre Mail eingegangen ist. „Aufgrund der außergewöhnlich hohen Zahl an Anfragen ist derzeit keine kurzfristige individuelle Antwort möglich“, sagt er und bittet um Verständnis. „Bereits versandte E-Mails müssen nicht erneut geschickt werden“, betont er. Die kurzfristige Schließung der Praxis sei nicht geplant gewesen; seine Frau könne sich derzeit nicht persönlich um die Abwicklung kümmern, hatte er in einem früheren Gespräch bereits ausgeführt.
In Absprache mit der Praxismanagerin sei ab sofort folgender Ablauf vorgesehen: Patientinnen und Patienten können ihre Unterlagen entweder per E-Mail oder persönlich in der Praxis anfordern.
Alle eingegangenen E-Mails werden nach und nach bearbeitet.
Jede Anfrage wird beantwortet, sobald feststeht, wann die Unterlagen abgeholt werden können.
Wer die Akte persönlich in der Praxis anfordert, erhält ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt eine Mitteilung, beispielsweise telefonisch, sobald die Unterlagen bereitliegen. „Eine sofortige Mitnahme ist derzeit nicht möglich“, informiert Frank Müller.
Familie Müller rechne damit, dass 1.500 bis 2.000 Patientinnen und Patienten ihrer Praxis ihre Unterlagen anfordern könnten. Bis auf Weiteres sei die Praxis dafür montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr geöffnet. „Auch danach wird sichergestellt, dass Patientinnen und Patienten innerhalb der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren weiterhin Zugang zu ihren Unterlagen erhalten“, so Müller. Dafür werde rechtzeitig eine Lösung geschaffen.