ASEAN-Staaten wollen Cyberkriminalität gemeinsam bekämpfen

Grenzüberschreitender Cyberbetrug beschäftigt die Polizei weltweit. Viele Täter arbeiten von Südostasien aus. Länder wie Myanmar und Kambodscha wollen nun härter gegen sie vorgehen.

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ASEAN-Staaten wollen Cyberkriminalität gemeinsam bekämpfen

Cyberbetrug ist seit Langem eine große Herausforderung für Sicherheitsbehörden in Südostasien. Die Polizei, der Grenzschutz und die Kriminalämter sind überfordert. Die Banden nutzen Briefkästen, Kryptowährungen und internationale Überweisungen, um ihre Spuren zu verwischen. Einige von ihnen arbeiten mit bewaffneten und politisch gut vernetzten lokalen Gruppierungen zusammen.

ASEAN-Länder wollen hart vorgehen

Die Staaten des südostasiatischen Bundes ASEAN wollen den Kriminellen nun einen Riegel vorschieben. So wollen Thailand und Myanmar hart gegen Betrugszentren entlang ihrer gemeinsamen Grenze vorgehen, Geheimdienstinformationen austauschen und kriminelle Finanzströme gemeinsam unterbinden. Das verkündeten vergangene Woche der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul und Präsident Min Aung Hlaing, Chef der Militärregierung Myanmars.

Myanmar Myawaddy 2025 | Luftaufnahme des KK Park Komplexes, einem Zentrum für Cyber-Betrug
Luftaufnahme des KK Park Komplexes, einem Zentrum für Cyber-Betrug in Myawaddy (Myanmar)Bild: Lillian Suwanrumpha/AFP

Thailand bot außerdem Unterstützung für Myanmar beim Beitritt zur Egmont-Gruppe an. Sie ist eine internationale Vereinigung der Finanzermittlungsbehörden. Das Ziel der Gruppe ist die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Myanmar selbst hatte bereits das Strafrecht verschärft. Betreiber von Cyberbetrugscentren können bei besonderer Schwere der Tat zum Tode verurteilt werden.

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Indonesien drängt darauf, eine gemeinsame Task Force in ASEAN zur Bekämpfung von Online-Betrugsringen zu bilden. Das schlug Ende Juli der indonesische Vize-Außenminister Arif Havas Oegroseno bei seinem Besuch in Kambodscha vor. Der indonesische Präsident Prabowo Subianto vereinbarte kürzlich mit dem thailändischen Premier Anutin in Jakarta, eine Vorreiterrolle im Kampf gegen diese kriminellen Banden zu übernehmen und die Widerstandsfähigkeit der ASEAN zu stärken.

"Bedrohung der wirtschaftlichen Sicherheit"

Die Vereinten Nationen bezifferten die Schäden durch Cyberbetrüger im Jahr 2025 weltweit auf bis zu 98 Milliarden Euro. Das wäre das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts von Myanmar. Viele Banden sind nach UN-Angaben in Südostasien ansässig. Künstliche Intelligenz, Kryptowährungen, verschlüsselte Kommunikation und Deepfake-Technologie haben ihre Machenschaften kostengünstiger und schwerer aufdeckbar gemacht.

"Cyberbetrug in Südostasien hat sich über ein herkömmliches Problem hinaus entwickelt und sollte als Bedrohung der wirtschaftlichen Sicherheit betrachtet werden", sagt Hai Luong vom Institut für Kriminologie an der australischen Griffith University.

Die Regierungen in Südostasien mussten bereits auf Druck der USA, der EU und Chinas reagieren, da ihre Betrugskartelle immer mehr Opfer im Ausland über den Tisch ziehen. Auch in Deutschland steigt die Anzahl der Geschädigten. Es liege in der Natur der Cybercrime, dass die Täter nicht lokal, sondern weltweit agieren, warnt das deutsche Bundeskriminalamt (BKA). "Cybergefahren und Bedrohungen lassen sich häufig örtlich nicht eingrenzen oder gar genau zuordnen."

Internationale Sanktionen

Die USA hatten im Oktober die kambodschanische "Prince Group", einen der größten Konzerne des Landes, als transnationale kriminelle Organisation eingestuft und verhängten Sanktionen gegen 146 mit ihr verbundene Einzelpersonen und Unternehmen.

Die US-Behörden klagten zudem den in China geborenen Vorsitzenden der Prince Group, Chen Zhi, wegen Telekommunikationsbetrugs und Geldwäsche an. Das Geschäftsimperium der Prince Group erstreckte sich über die Bereiche Immobilien, Finanzen und Consumer Service. Die US-Behörden werfen der Gruppe vor, kriminelle Erlöse über ein internationales Netzwerk von Unternehmen mit legitimen Geschäftsaktivitäten vermischt zu haben.

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Kambodscha entzog Chen die Staatsbürgerschaft und lieferte ihn im Januar 2026 an die chinesischen Behörden aus. China behauptete, Chen sei chinesischer Staatsbürger. Auch die EU verhängte im Juli Sanktionen gegen die Prince Group und die "Jin Bei Group" in Kambodscha sowie gegen die "Democratic Karen Benevolent Army" in Myanmar wegen angeblicher Beteiligung an Cyberbetrug.

Kambodscha schloss mehrere Banken

2024 schätzte das United States Institute of Peace, dass allein die Cyberbetrugsindustrie in Kambodscha mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar im Jahr erwirtschaftete. Das machte ein Drittel der Wirtschaftsleistung des Landes aus.

Premierminister Hun Manet hat eingeräumt, dass die illegale Betrugswirtschaft auch legitimen Unternehmen in seinem Land schade. Hun kündigte ein systematisches Vorgehen gegen Online-Betrugsnetzwerke und eine strengere Überwachung des Finanzsektors an.

Die Zentralbank von Kambodscha hat seit Jahresbeginn als Bankenaufsicht mindestens sechs Finanzinstituten ihre Lizenzen entzogen. Drei davon waren wegen angeblicher Verbindungen zu Betrugsnetzwerken mit US-Sanktionen belegt worden.

Anfang August ermöglichte Singapur mit einem neuen Gesetz den Informationsaustausch zwischen Banken und Ermittlungsbehörden. Sollten Bankkonten im Verdacht der Geldwäsche stehen, dürfen sie eingefroren werden. Das Gleiche gilt auch für die Telekommunikations- und Online-Dienste.

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Mehr Zusammenarbeit in Südostasien

Die grenzüberschreitende Kooperation sei dabei enorm wichtig, sagt Sophal Ear, Professor an der Thunderbird School of Global Management der Arizona State University, im DW-Interview. "Kriminelle Organisationen agieren nahtlos über Grenzen hinweg, während die Regierungen weiterhin über separate Behörden mit unterschiedlichen Mandaten und begrenzter Koordination reagieren." Der Geldfluss zur Verschleierung krimineller Erlöse sei widerstandsfähiger als die Strafverfolgung, so Ear weiter.

Die ASEAN-Staaten haben einen neuen Aktionsplan zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität für die Jahre 2026 bis 2035 gebilligt. Der Plan sieht einen verbesserten Informationsaustausch zwischen nationalen Strafverfolgungsbehörden und Finanzermittlungsstellen vor. Auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäsche wurde kürzlich eingerichtet.

Nun müssen die nationalen Regierungen diese Verpflichtungen umsetzen und sensible Finanz- und Strafverfolgungsinformationen austauschen. "In der Praxis müssen die Regierungen der Zerschlagung der Branche Vorrang einräumen. Das Anwerben für Kriminelle, der IT-Service, die grenzüberschreitenden Geschäftsmodelle - all das müsste bekämpft werden, anstatt sich ausschließlich auf einzelne Täter zu konzentrieren", sagt Luong von der Griffith University.

Asha Hemrajani, Senior Fellow an der singapurischen Nanyang Technological University, stimmt zu, dass die Region einen "ganzheitlichen und nicht isolierten" Ansatz verfolgen müsse. "Das gemeinsame Ziel muss darin bestehen, die Führung der kriminellen Syndikate, die Finanznetzwerke und die unterstützende Infrastruktur zu identifizieren und zu zerschlagen. Nur die Geldkuriere zu verhaften oder einzelne Betrugszentren in Kambodscha und Myanmar zu stürmen, reicht nicht aus", sagt Hemrajani.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan