Ex-Offizier der Ukraine wechselte die Seiten – jetzt wurde er auf der Krim durch eine Bombe getötet
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Anschlag auf Offizier in Sewastopol: Wer ist die Frau, die Russland des Mordes beschuldigt?
Stand: 16.08.2026, 19:43 Uhr
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Ex-Marineoffizier auf der Krim getötet, eine Russin festgenommen – doch Moskaus Version des Anschlags wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Eine in einem Mülleimer versteckte Bombe, eine Explosion auf einer Treppe und ein ehemaliger Offizier der ukrainischen Marine, der in den Dienst Moskaus übergetreten war. So lautet nach Darstellung der russischen Behörden und Medien die grundlegende Rekonstruktion des Anschlags, bei dem in den vergangenen Tagen in Sewastopol auf der Krim-Halbinsel Robert Schagejew, ein 49-jähriger Offizier der russischen Schwarzmeerflotte, getötet wurde.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Corriere della Sera
Inzwischen wurde die 32-jährige russische Staatsbürgerin Margarita Reut wegen Mordes festgenommen. Nach Angaben russischer Medien, die von der internationalen Presse aufgegriffen wurden, soll die Frau gestanden haben und wegen Terrorismus mit Todesfolge angeklagt worden sein. Der Anschlag sei, so die von den russischen Behörden verbreitete Version, im Auftrag der ukrainischen Geheimdienste organisiert worden.

Reut soll kurz nach der Explosion festgenommen worden sein. Laut dem russischen Sender Mash, der den Sicherheitsbehörden als nahestehend gilt, soll sie auf die Frage, ob sie ihre Tat bereue, mit „Nein“ geantwortet haben. Ebenfalls dieser Darstellung zufolge soll die Frau geplant haben, Russland nach dem Anschlag zu verlassen. Doch gerade diese Details machen es schwierig, den Vorfall von der propagandistischen Darstellung des Krieges zu separieren. Derzeit müssen die Vorwürfe gegen Reut und die mögliche Rolle der ukrainischen Geheimdienste im Lichte der von den russischen Behörden und Medien verbreiteten Informationen betrachtet werden.
Seitenwechsel schon vor Ukraine-Krieg: So kam Schagejew in die russische Schwarzmeerflotte
Im Mittelpunkt des Falls steht ein Mann, der den ukrainischen Behörden bereits bekannt war. Robert Schagejew war Kommandant des U-Boots „Saporischschja“, des einzigen U-Boots der ukrainischen Marine, als Russland 2014 die Kontrolle über die Krim übernahm. In jenem Jahr brachte Schagejew das Boot nicht von der Halbinsel fort. Nach ukrainischen Unterlagen übergab er es den russischen Streitkräften und trat anschließend in den Dienst der Marine Moskaus ein. Die „Saporischschja“ war nicht nur militärisch, sondern auch symbolisch bedeutsam: Es war das einzige U-Boot der ukrainischen Marine, das nach der Besetzung der Krim am Stützpunkt in Sewastopol verblieb.
Schagejew soll nach ukrainischen Vorwürfen stellvertretender Kommandeur der vierten U-Boot-Brigade der russischen Schwarzmeerflotte geworden sein. Im Verlauf des großangelegten Krieges gegen die Ukraine haben die Behörden in Kiew zudem die Einheiten der Schwarzmeerflotte mit Raketenangriffen auf ukrainisches Territorium in Verbindung gebracht und Schagejew vorgeworfen, an russischen Operationen beteiligt gewesen zu sein. Seine Figur steht damit symbolisch für jene ukrainischen Militärs, die nach der Krim-Annexion die Seiten wechselten und heute eine Rolle in der russischen Kriegsführung spielen.
Weitaus weniger klar ist hingegen die Geschichte der Frau, die beschuldigt wird, den Anschlag vorbereitet zu haben. Nach der von russischen Medien verbreiteten Darstellung soll Reut in Jaroslawl geboren worden sein, zudem in Sotschi gelebt und die Krim mehrfach besucht haben. Ihr Name soll auf Escort-Webseiten aufgetaucht sein. Dieselben Quellen schreiben ihr auch eine Tätigkeit als Biologin und die Herstellung von Produkten auf Basis von Blütenextrakten zu. Es handelt sich um biografische Elemente, die bisher nicht erklären, wie und wann die Frau mit den ukrainischen Sicherheitsdiensten in Kontakt gekommen sein soll.
Ungeklärte Biografie und frühere Festnahme – was über Margarita Reut bekannt ist
Ebenso wenig ist eine unabhängige Darstellung der mutmaßlichen Anwerbung bekannt geworden. Einen früheren Vorfall gibt es jedoch. Im Juli 2025 war Reut festgenommen worden, nachdem sie in einem Zug von Samara nach Adler „Es geschieht euch recht, Russen!“ gerufen hatte, nachdem die Nachricht eines ukrainischen Drohnenangriffs in der Region Rostow bekannt geworden war. Den zitierten Quellen zufolge wurde sie zwei Tage lang festgehalten und wegen „Diskreditierung“ der russischen Armee mit einer Geldstrafe belegt. Dieser Vorfall wird nun im Lichte der aktuellen Anschuldigungen gegen sie neu bewertet, liefert aber bislang keine schlüssige Erklärung für eine mögliche Radikalisierung oder Rekrutierung.
Sollten sich die Vorwürfe vor Gericht bestätigen, droht Reut nach Angaben der russischen Agentur E2W News eine Haftstrafe von bis zu dreißig Jahren. Vorerst bleibt der Fall jedoch von zahlreichen Fragen umgeben. Die rasche Festnahme, das mutmaßliche Geständnis und die angebliche Verbindung zu Kiew entstammen in erster Linie der russischen Rekonstruktion der Ereignisse. Ohne unabhängige Überprüfungen lassen sich diese Angaben kaum von den politischen und militärischen Interessen trennen, die den Informationsfluss im Krieg zwischen Russland und der Ukraine schon lange prägen.