Matrosen der USS Abraham Lincoln: Psychischer Druck nimmt zu

Publiziert12. August 2026, 19:17Seit 200 Tagen auf SeeAngehörige berichten von Suizidversuchen auf US-FlugzeugträgerDie USS Abraham Lincoln ist seit November 2025 ununterbrochen im Einsatz. Die 5000 Matrosen au...

  • 3 min read
Matrosen der USS Abraham Lincoln: Psychischer Druck nimmt zu

Publiziert12. August 2026, 19:17

Seit 200 Tagen auf SeeAngehörige berichten von Suizidversuchen auf US-Flugzeugträger

Die USS Abraham Lincoln ist seit November 2025 ununterbrochen im Einsatz. Die 5000 Matrosen auf dem Schiff sahen seither kein Land mehr. Offenbar ist der psychische Druck gewaltig.

Simon Misteli

Darum gehts

  • Die USS Abraham Lincoln ist seit dem 21. November 2025 ununterbrochen im Einsatz.
  • Mehrere Soldaten haben laut Berichten von Angehörigen versucht, von Bord ins Meer zu springen.
  • Ein Ablösedatum durch die USS Theodore Roosevelt ist nicht bekannt.

Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln ist seit dem 21. November 2025 im Einsatz – ununterbrochen. Trump schickte ihn damals für die Operation «Epic Fury» in den Nahen Osten. Im Mai sollte er ursprünglich zurückkehren, doch der Einsatz wurde ohne nächstes Enddatum verlängert.

Nun gibt es Berichte, dass mehrere der Matrosen an Bord versucht haben, ins Meer zu springen. Familienangehörige der Militärs sprechen von Überlastung und schwierigen Lebensumständen an Bord. Die Militärführung hat mitgeteilt, dass ein anderer Flugzeugträger vorbereitet wird, um die USS Lincoln abzulösen. Doch wann das genau erfolgen wird, gab sie nicht bekannt.

Mehr zu diesem Thema

Annabelles Ehemann wollte über Bord

Die «Military Times», eine US-amerikanische Zeitung für Militärpersonal und dessen Angehörige, berichtete von Vorfällen, bei denen Besatzungsmitglieder über Bord springen wollten. Einer davon ist der Ehemann von Annabelle Loma, die mit der Zeitung gesprochen hat.

Es sei schwierig, mit ihm in Kontakt zu treten, erzählt sie. «Er ist nun aus medizinischen Gründen vom Dienst freigestellt», erklärt sie. Dabei befinde er sich aber noch immer auf dem Flugzeugträger. Loma sagte, sie habe nach dem Vorfall zunächst einen Anruf vom Ombudsmann des Schiffes erhalten, in den letzten Wochen jedoch nichts mehr von der Marine gehört.

Besatzungsmitglieder der USS Abraham Lincoln bereiten einen Kampfjet zum Abflug vor.

Besatzungsmitglieder der USS Abraham Lincoln bereiten einen Kampfjet zum Abflug vor.IMAGO/ZUMA Press Wire

Lomas Gatte ist einer von 5000 Militärs, die seit acht Monaten auf dem Schiff im Dienst sind. Ein anderer ist Maria Rodriguez' Mann. Er erzählte ihr, wie er einen anderen Soldaten im letzten Moment davon abgehalten hatte, zu springen. Er habe den Matrosen am Arm gepackt und aufs Deck zurückgezogen, als dieser im Begriff war, über die Reling zu klettern.

Unabhängig davon berichtete «Stars and Stripes» – eine andere US-Militär-Zeitung – am Dienstag, dass Matrosen einen Vorfall beschrieben hätten, bei dem Wachpersonal ein Besatzungsmitglied daran gehindert habe, über Bord zu springen. Es ist nicht klar, ob die drei Berichte denselben Vorfall beschreiben, allerdings berichten sowohl die «Military Times» als auch «Stars and Stripes» von mehreren Vorfällen.

Bedenken über psychische Gesundheit

Mehr als 200 Angehörige nahmen letzte Woche an einem Treffen mit dem amtierenden Marineminister Hung Cao in San Diego teil. Dabei äusserten die Angehörigen laut Aufzeichnungen des Treffens, die von MS NOW eingesehen wurden, Bedenken hinsichtlich der psychischen Gesundheit, der Erschöpfung und der Sicherheit der Matrosen.

Die Marine hat mitgeteilt, dass die Führung der «Lincoln» die psychische Belastbarkeit der Matrosen kontinuierlich überprüfe und dass dem Flugzeugträger Berater, Seelsorger, medizinisches Fachpersonal und weitere Unterstützungsdienste zur Verfügung stehen würden. Die Marine hat jedoch keine genauen Zahlen darüber bekannt gegeben, wie viele Matrosen während des laufenden Einsatzes an Bord der «Lincoln» versucht haben, über Bord zu springen, oder sich selbst verletzt haben.

Der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt wird darauf vorbereitet, die «Lincoln» abzulösen, erklärte Cao den Angehörigen. Aus Gründen der operativen Sicherheit haben die Verantwortlichen jedoch keinen Zeitplan für die Ablösung bekannt gegeben.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Jüdische Fürsorge, [email protected]

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Simon Misteli

Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.