Alza-Chef: „Wir sind das Amazon Mitteleuropas“

Wer in Österreich regelmäßig im Internet Elektronik bestellt, kommt an den Werbespots mit dem knallgrünen Alien von Alza kaum mehr vorbei. Der tschechische Onlinehändler hat seine Marketingoffensive in den verg...

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Alza-Chef: „Wir sind das Amazon Mitteleuropas“

Wer in Österreich regelmäßig im Internet Elektronik bestellt, kommt an den Werbespots mit dem knallgrünen Alien von Alza kaum mehr vorbei. Der tschechische Onlinehändler hat seine Marketingoffensive in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt und will damit auch hierzulande schneller wachsen. Österreich sei zwar nach wie vor der kleinste Markt des Unternehmens, entwickele sich aber positiv. 

„Seit Corona sind die Menschen offener für den Online-Einkauf. Wir sehen in den letzten Jahren wirklich gute Zahlen“, sagt Österreich-Chef Lukáš Mikolášek im Gespräch mit dem KURIER. Während Alza in Österreich noch Marktanteile gewinnen will, ist das Unternehmen in seiner Heimat Tschechien längst eine feste Größe. Neben Tschechien ist der Konzern auch in der Slowakei, Ungarn und Österreich aktiv. Zunehmend richtet sich der Blick außerdem nach Deutschland, wo das Unternehmen bisher nur über den Postversand zustellt.

Kooperation mit der Österreichischen Post

In den anderen Ländern liefert Alza  Bestellungen über Nacht in eigene Abholboxen. In Österreich wird dieser Service nur in Wien und Umgebung angeboten. Ein eigenes Lager betreibt Alza hierzulande nicht. Stattdessen werden sämtliche Bestellungen aus Zentrallager in der Slowakei abgewickelt. Beliefert werden die eigenen „Alza-Boxen“. Seit Juni besteht außerdem eine Kooperation mit der Österreichischen Post. Seither können Kunden ihre Bestellungen an 4.500 Boxen im ganzen Land liefern lassen.

Beim Sortiment legt Alza den Fokus auf Elektronik und Spielzeug. Zu den meistverkauften Produkten im vergangenen Jahr zählten die Spielkonsolen Nintendo Switch und Sony PlayStation. Daneben gehören Smartphones sowie Computerzubehör zu den Verkaufsschlagern. 

Eigenmarken rücken verstärkt in den Fokus

Ausgebaut wurde zuletzt auch das Angebot an Eigenmarken. Sie sollen eine günstige Alternative zu etablierten Herstellern bieten. „Unsere Produkte sind qualitativ gleich gut, sogar besser, man bekommt sie aber für einen geringeren Preis“, sagt Mikolášek. Sowohl das Sortiment als auch die Nachfrage seien in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.

Mann spricht gestikulierend mit einer Person in einem hellen Laden.

Mikolášek im Gespräch mit KURIER-Redakteurin Marlene Liebhart.

Alza sei das „Amazon Mitteleuropas“, sagt Mikolášek selbstbewusst. Als direkten Konkurrenten des US-Konzerns sieht er das Unternehmen dennoch nicht. „Anderen großen Elektronikhändlern machen wir aber Konkurrenz.“ 

Den zunehmenden Wettbewerb durch asiatische Billigplattformen nimmt Mikolášek gelassen. Deren Kunden würden vor allem auf den Preis achten. „Natürlich spielt auch bei uns der Preis eine Rolle, aber kein europäischer Händler kann mit den asiatischen Mitbewerbern preislich mithalten.“ Europäische Händler könnten stattdessen mit kurzen Lieferzeiten, besserem Service und rascher Verfügbarkeit punkten. 

Preise können sich täglich ändern

Die Preisgestaltung erfolgt bei Alza dynamisch. Teilweise ändern sich Preise täglich. Grundlage dafür sind Markttrends und die Angebote der Konkurrenz. Viele Kunden würden heute über Preisvergleichsportale wie Idealo oder Geizhals auf den Webshop gelangen, weshalb wettbewerbsfähige Preise entscheidend seien.

Mit gemischten Gefühlen blickt der  Österreich-Chef  auf neue Regulierungen. Die ab Oktober geltende nationale Paketsteuer von zwei Euro pro Sendung hält er grundsätzlich für sinnvoll. Alza wird wegen des erforderlichen Mindestumsatzes von 100 Millionen Euro in Österreich selbst nicht davon betroffen sein. Trotzdem übt er Kritik: „Ich bin der Meinung, dass die Spielregeln für alle Händler gleich sein müssen. Es geht nicht, dass manche Händler beeinträchtigt werden und andere nicht.“

Positiv beurteilt Mikolášek hingegen den seit Anfang Juli geltenden EU-Pauschalzoll von drei Euro auf Pakete aus Drittstaaten mit einem Warenwert bis 150 Euro. Dadurch werde der europäische Handel besser geschützt. „Es kommen viele Pakete von asiatischen Händlern, die keine Steuern  zahlen und keine Gewährleistung bieten. Das ist nicht richtig.“

kurier.at, mali  |  18.07.2026, 5:10