Altmark: So lebt es sich im Minidorf Kleistau
Alle leben auf Sichtweite, jeder kennt jeden: Kleistau in der Altmark gehört zur Gemeinde Dähre – und ist eine der kleinsten Ortschaften Sachsen-Anhalts. Das mag man für verschlafen halten. Aber die knapp zwei Dutzend Einwohner wissen das Überschaubare zu schätzen.
- 4 min read
22 Einwohner, eine Straße
Stand: 22.08.2026 17:27 Uhr
Alle leben auf Sichtweite, jeder kennt jeden: Kleistau in der Altmark gehört zur Gemeinde Dähre – und ist eine der kleinsten Ortschaften Sachsen-Anhalts. Das mag man für verschlafen halten. Aber die knapp zwei Dutzend Einwohner wissen das Überschaubare zu schätzen.
von Janett Scheibe, MDR SACHSEN-ANHALT
Einen offiziellen Titel als kleinstes Dorf Sachsen-Anhalts gibt es zwar nicht. Aber mit nur 22 Einwohnern, die auf sieben Häuser verteilt leben, gehört Kleistau in der Altmark zweifellos zu den kleinsten Ortschaften im Land. Hier leben Alteingesessene und Zugezogene Seite an Seite. Was sie verbindet, ist die Liebe zur Natur, die Ruhe und der Wunsch nach einem Leben abseits des Trubels. Trotz mancher Herausforderungen des Alltags können sie sich aber kein anderes Zuhause vorstellen.
Kleines Dorf, kurze Wege
"Dass wir hier mal einen positiven Anlass haben, uns zu sehen, ist schön, sonst haben wir ja derzeit gerade viel Diskussion in der Gemeinde", begrüßt Bürgermeister Jan Meine die Anwohner von Kleistau an einer Bushaltestelle im Ort, der einzigen überhaupt. Der 48-Jährige ist seit letztem Jahr Bürgermeister von Dähre in der Altmark, zu der auch der kleine Ort Kleistau gehört.
Bürgermeister Jan Meine (r.) im Gespräch mit den Einwohnern von Kleistau: Hier trifft man sich einfach mitten im Ort.
Sieben Häuser, 22 Einwohner, eine Straße und eine Buswendestelle, man kann sich in dem kleinen Rundplatzdorf nicht verfehlen. Und so findet manches Bürgergespräch auf dem kleinen Dienstweg nicht wie üblich im Rathaus, sondern am einzigen Haltepunkt im Ortskern statt. Auf einer Fläche von 1,87 Quadratkilometern ist eben alles sehr übersichtlich. Aber das lieben die Bewohner von Kleistau, alle Nachbarn leben in Sichtweite, einige von ihnen schon immer, manche schon ziemlich lange. Wieder andere sind erst vor einigen Jahren zugezogen. Was alle eint, ist die Liebe zur Natur und die bewusst gewählte Abgeschiedenheit.
Das Minidorf Kleistau ist ein typisches Rundplatzdorf in Altmark.
Seit Generationen verwurzelt
Eine, die nie weg war und auch nie wegwollte, ist Anneliese Pletke. Ihr Haus befindet sich direkt am Rondell des Ortes. "Ich wohne seit 78 Jahren hier, ich bin hier in meinem Elternhaus geboren. Die Natur rings herum, der Wald. Gut, wir haben einige Sachen, wo wir weit fahren müssen zum Einkaufen". Aber das stört die Rentnerin nicht. Früher habe sie das alles mit dem Fahrrad und zwei Kindern bewältigt, erzählt sie stolz.
Dorfgemeinschaft wird unter den 22 Einwohnern von Kleistau gepflegt.
Viele Fachwerkhöfe wurden über Generationen immer weitervererbt. Und so blickt der Ort auf eine ziemlich lange Geschichte zurück. Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1443. Kleistau liegt drei Kilometer nordwestlich von Dähre am Grabower Graben. Die Landschaft zeichnet sich aus durch weite Felder, Wiesen und kleinere Waldgebiete.
Kleistau ist geprägt von denkmalgeschützten Fachwerkbauten.
Von der Großstadt ins Dorfglück
Einer, den diese Landschaft und das Flair des Ortes sofort begeistert haben, ist Torsten Barthel. Der 57-Jährige ist 1998 aus Leipzig auf den elterlichen Hof seiner Frau gezogen und hat wenig Heimweh nach der Großstadt.
Wir sehen uns regelmäßig, sagen uns 'Guten Tag', und wenn jemand mal Hilfe braucht, kann er gern den anderen anrufen oder vorbeikommen. Torsten Barthel, lebt seit 1998 in Kleistau
Er und seine Familie lieben die Abgeschiedenheit, aber auch den kollektiven Zusammenhalt unter den Einwohnern. "Wir sehen uns regelmäßig, sagen uns 'Guten Tag' und wenn jemand mal Hilfe braucht, kann er gern den anderen anrufen oder vorbeikommen, komm ich brauch mal das und das, kannst du mir morgen mal helfen", erzählt er.
Mit frischen Ideen gegen den Wandel
Wie sichert man die Zukunft der kleinen Dörfer im Norden Sachsen-Anhalts? Wie schafft man gute Lebensbedingungen für Familien, Unternehmen und Fachkräfte? Bürgermeister Jan Meine muss seine Mitbürger immer wieder von Kompromissen überzeugen: "Wir stehen vor großen Herausforderungen, wir haben einen gesperrten Haushalt. Ein Punkt, an dem ich sehr stark arbeite, ist es, zusätzliche Gelder zu akquirieren. Und dabei spielen auch die erneuerbaren Energien, die Freiflächen Photovoltaik Anlagen oder die Windkraftanlagen eine Rolle", berichtet er.
Meine findet, die Region biete auch Chancen. "Bezahlbarer Wohnraum wird zu den stetig steigenden Mieten in den Städten ein Thema sein, eine hohe Lebensqualität und der Ausbau digitaler Infrastruktur könnten neue Perspektiven eröffnen".
Die Bewohner vom Minidorf Kleistau muss man nicht mehr überzeugen, sie sind bereits begeistert von ihrem Kleinod inmitten der altmärkischen Landschaft.
MDR (Janett Scheibe, Alisa Sonntag)