Adidas Hyperboost und andere Superschuhe: Was steckt hinter dem neuen Lauftrend?
StartseiteSportStand: 22.08.2026, 17:30 UhrKommentareUns auf Google folgenSieht ungewöhnlich aus und katapultiert einen wie einen Flummi nach vorn: Unser Autor Matthias Lohr hat den Adidas Hyperboost Edge mit s...
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Stand: 22.08.2026, 17:30 Uhr
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Carbonschuhe für Bestzeiten, Superschuhe mit weicher XXL-Sohle fürs Training: Die Laufschuhwelt erlebt eine Revolution. Was steckt hinter der Beliebtheit von Schuhen wie dem Adidas Hyperboost?
Wer diesen Laufschuh anzieht, fühlt sich ein bisschen wie Superman. Der Adidas Hyperboost Edge hat eine 45 Millimeter dicke Sohle und macht jeden Läufer ein gutes Stück größer. Läuft man los, fliegt man zwar nicht wie Superman durch die Luft, aber der Hyperboost ist so weich und fluffig, dass man meint, auf Wolken zu laufen. Zugleich katapultiert einen die reaktive Mittelsohle wie einen Flummi nach vorn. Und dann ist der klobig aussehende Schuh mit 262 Gramm auch noch ungemein leicht. Es ist wirklich alles ziemlich super, bis auf den Preis: 200 Euro hat man in den fast 40 Jahren, in denen man nun läuft, noch nie für einen Schuh ausgegeben.

Der Hyperboost ist einer der sogenannten Superschuhe, die gerade die Revolution im Laufsport deutlich machen. Im April hat der Kenianer Sabastian Sawe beim London-Marathon als erster Mensch die Zwei-Stunden-Schallmauer durchbrochen. Seit seinem Weltrekord (1:59:30 Stunden) ist auch sein Schuh eine Ikone. Der Adidas Adizero Adios Pro Evo 3 wiegt nur 100 Gramm. Beim Laufen wird man von einer Carbonplatte regelrecht nach vorn katapultiert. Obwohl er 500 Euro kostet und nur 100 Kilometer lang hält, versuchen auch ambitionierte Hobbyläufer, ihre Zeiten mit ihm zu verbessern.
Laufschuharten
Daily Trainer: Klassischer Trainingsschuh, der komfortabel, ausreichend gedämpft und langlebig ist.
Lightweight Trainer: Leichter und dynamischer als der Daily Trainer. Besonders für Tempoläufe und Wettkämpfe geeignet.
Carbonschuhe: Sehr leicht und mit einer Carbonplatte ausgestattet, die für einen starken Vortrieb sorgt.
Superschuhe: Dicke und stark gedämpfte Trainingsschuhe, mit denen man aber auch schnell laufen kann.
Stabilitätsschuhe: Sorgen für zusätzliche Stabilität und Führung und verhindern etwa eine Überpronation, also das Kippen des Fußes beim Aufsetzen nach innen.
Trailschuhe: Haben ein griffigeres Profil, damit man etwa gut über technisch anspruchsvolle Bergpfade kommt.
Von denen gibt es immer mehr. 50 Jahre nach der ersten Joggingwelle laufen heute auch Pop-Stars wie der britische Musiker Harry Styles, der den Marathon in beachtlichen 2:59:13 Stunden schaffte, und Politiker wie die Grüne Ricarda Lang, die bis vor Kurzem gar keinen Sport gemacht hat. In den Großstädten treffen sich vor allem junge Leute in Run Clubs, um gemeinsam zu laufen und auch anschließend eine gute Zeit zu haben. Influencer wie die Mainzer Sportstudentin Julia Schuler inszenieren sich modebewusst auf Instagram. Ihren mehr als 800.000 Followern teilt sie unter anderem mit, dass der Hyperboost ihr Lieblingsschuh ist.
Früher galt Laufen vielen als spießig, weil sie es mit der Trimm-dich-Welle im Stadtwald verbanden, heute ist es cool. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht, weil man immer länger und weiter laufen kann – wie der Berliner Extremsportler Arda Saatçi, der im Mai 600 Kilometer vom Death Valley nach Los Angeles rannte. Millionen verfolgten es im Livestream.
Für die Sportartikelindustrie ist das ein Segen. Laufschuhe, Bekleidung und Zubehör sind für die großen Konzerne längst das wichtigste Segment. Dabei braucht der Mensch nicht unbedingt einen Schuh zum Laufen. 1960 rannte der Äthiopier Abebe Bikila noch barfuß zum Olympia-Gold im Marathon in Rom. Vier Jahre später wiederholte er seinen Triumph in Tokio – allerdings in weißen Laufschuhen. Die Sportausrüster wussten damals schon, dass man mit Siegern mehr Produkte verkaufen kann.
DDR-Marathon-Held Waldemar Cierpinski trug bei seinen beiden Olympiasiegen 1976 und 1980 noch Schuhe mit einer extrem flachen Sohle, die kaum für Dämpfung sorgte. In den Achtzigerjahren folgte die erste Laufschuh-Revolution: Nike verarbeitete Luft in der Mittelsohle (Nike Air), später zog der japanische Hersteller Asics mit Gel nach. So lief das eine ganze Zeit, bis die Industrie in den Nullerjahren die Rückkehr zur Natur propagierte. Plötzlich sollte man sich wieder wie unsere Vorfahren fortbewegen, also fast barfuß. Es gab sogar einen Zehenschuh, der aussah wie ein Fingerhandschuh für den Fuß, also ziemlich hässlich.
Die nächste Neuerung kam wie so vieles im Ausdauersport aus dem Triathlon. Der Schweizer Ironman-Sieger Olivier Bernhard litt unter chronischen Achillessehnenschmerzen. Mit Bekannten gründete er die Firma On und entwickelte einen Laufschuh, der aussah, als stünde er auf einem zerschnittenen Gartenschlauch. Die Achillessehnenbeschwerden verschwanden, und das Konzept, wie auf Wolken zu laufen, wie es damals schon hieß, wurde ein Renner. Heute tragen ebenso Spitzenathleten On-Schuhe wie Senioren in ihrer Freizeit.

Der Trend zu etwas dickeren und gut gedämpften Laufschuhen begann vor etwa zehn Jahren mit den Modellen der Firma Hoka, wie Jürgen Thomas sagt, der in Kassel den Laufladen betreibt. Das Start-up wurde von zwei Franzosen gegründet und gehört heute einem US-Konzern. Der Trend, den Hoka auslöste, wird nicht mehr weggehen, prophezeit Thomas. Er sieht die Entwicklung aber auch kritisch: „Zu dicke und weiche Sohlen können Fußfehlstellungen um ein Vielfaches verstärken. Läufer, die deswegen Probleme haben und verletzt sind, kommen dann zu uns.“ Im Laufladen könnte man auch die teureren Schuhe verkaufen, „aber wir beraten individuell und empfehlen dann eher einen stabileren Schuh“.
Supertrainer wie der Hyperboost wurden für den Trainingsalltag entwickelt. Thomas fragt sich aber: „Brauchen Hobbyläufer, die muskulär nicht so gut aufgestellt sind, nicht den passenden Laufstil haben und auch nicht schnell laufen wollen, solch flummiartige Schuhe?“ Wahrscheinlich nicht, aber im Praxistest macht der Hyperboost mit seiner Mittelsohle richtig viel Spaß. Vereinfacht gesagt besteht die 2013 erstmals vorgestellte und von BASF mitentwickelte Boost-Technologie aus Polyurethan-Partikeln, die zu einem Kunststoffschaum verarbeitet wurden. So soll die Aufprallenergie zurückgegeben werden. Die Sohle hat auf Asphalt einen tollen Grip. Junge urbane Läufer, die Adidas als Zielgruppe ausgemacht hat, können so nicht nur schnell unterwegs sein, sondern sehen auch noch passabel aus. Man könnte den Hyperboost auch im Club tragen. Im Gelände fühlt man sich mit der hohen Sohle jedoch etwas unsicher.
Aber dafür gibt es ja Trailschuhe. Wer mindestens dreimal in der Woche läuft, sollte ohnehin mehrere Modelle haben, um Fehlstellungen zu vermeiden. Für unterschiedliche Trainingsformen gibt es auch unterschiedliche Schuharten. Wettkampfläufer schwören längst auf Carbonschuhe, mit denen man nicht nur schneller rennen, sondern auch höhere Umfänge absolvieren kann, weil sie effizienteres Training ermöglichen. Vorreiter war hier der US-Konzern Nike, der 2022 den Alphafly Next% 2 auf den Markt brachte. Nachdem der Kenianer Eliud Kipchoge damit 2022 in Berlin einen Weltrekord aufgestellt hatte, wollten ihn alle haben. Es soll sogar Athleten gegeben haben, die bei Adidas unter Vertrag standen, im Rennen trotzdem den Alphafly trugen und den Nike Swoosh mit drei Streifen übermalten, um nicht aufzufallen.
Das ist eine ebenso hübsche Anekdote, wie dieser Satz des Journalisten Hajo Schumacher ein schönes Zitat ist. Unter seinem Pseudonym Achim Achilles stellte er fest: „Laufschuhe sind wie Cocktails – bunt, teuer und manchmal tut am nächsten Tag was weh.“ In Wirklichkeit hinkt der Vergleich, denn meistens fühlt man sich beim Laufen hinterher besser als vorher. Das Runners High, von dem Läufer so gern schwärmen, ist daher ganz anders als herkömmliche Drogen, bei denen der Kater oder das Elend der Drogensucht warten. Manchmal ist nach einem Long Run auch alles einfach nur super.