Wie dreist: Handwerker zocken 90-jährigen Hausbesitzer ab
Ein 90-jähriger Basler fällt auf einen dubiosen Handwerker herein. Der schwatzt ihm erst eine Fassadenrenovation auf. Später kommen weitere Arbeiten dazu. Der Senior zahlt 120'000 Franken. Dann stoppen die Söhne die überteuerte Sanierung – und zeigen den Handwerker an.
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90-jähriger Basler fällt auf Handwerker herein, Sohn Claudio W. (66) empört
«Der Gauner wollte 120'000 Franken von meinem Vater»
Ein 90-jähriger Basler fällt auf einen dubiosen Handwerker herein. Der schwatzt ihm erst eine Fassadenrenovation auf. Später kommen weitere Arbeiten dazu. Der Senior zahlt 120'000 Franken. Dann stoppen die Söhne die überteuerte Sanierung – und zeigen den Handwerker an.
Publiziert: 18:48 Uhr
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Aktualisiert: 18:50 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Senior in Oberwil BL zahlt 120'000 Franken an betrügerischen Handwerker
- Handwerker manipulierte den 90-Jährigen und verlangte überrissene Beträge
- 39'000 Franken für Fassadenrenovation, 81'000 Franken für weitere Arbeiten, Anzeige wegen Wuchers
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft
Andreas W.* (90) lebt in einem Einfamilienhaus in Oberwil BL. Der studierte Nationalökonom bezeichnet sich selbst als Menschen, der sich nicht einfach so übers Ohr hauen lässt. Und doch ist ihm das im Sommer 2024 passiert. Da klingelt es bei W. plötzlich an der Tür. Ein Handwerker steht da und bietet die Renovation der Fassade an. W. bittet ihn herein. Nach einem netten Gespräch am Esstisch unterzeichnen die beiden einen Vertrag über 39'000 Franken für die Arbeiten.
Der Mann wirkt freundlich, spricht Deutsch mit französischem Akzent und behauptet, ein Baselbieter Unternehmen seines Vaters übernommen zu haben. «Er hat mich sofort geduzt», erinnert sich W. Das Haus schaut sich der Handwerker zuvor nicht einmal genauer an. Bereits am nächsten Tag steht das Gerüst. Er legt los. Und der Albtraum nimmt seinen Lauf.
Denn nach ein paar Tagen meint der Handwerker plötzlich, dass auch Dach, Fenster und weitere Holzteile saniert werden müssten. Für noch einmal 81'000 Franken. Alleine 45'000 Franken soll das Entmoosen des Daches kosten. Der 90-Jährige unterschreibt erneut. Eine Vertragskopie erhält er nicht.
«Er hat meinen Vater manipuliert»
Kurz darauf erhöht der Handwerker den Druck auf den Senior noch einmal. Er behauptet, bereits viel Geld für Material und Löhne vorgestreckt zu haben. Nun brauche er endlich Geld vom Auftraggeber. Der Senior lässt sich erweichen – und überweist die geforderten 120'000 Franken. Eine ordentliche Rechnung bekommt er nicht. Erst als er seine Söhne informiert, wird er misstrauisch.
Diese halten die Preise nämlich für viel zu hoch. Als W. den Handwerker damit konfrontiert, sagt dieser, er solle nicht auf seine Söhne hören, diese wollten nur an sein Geld. «Dem Mann ist es gelungen, meinen Vater psychisch in eine Situation zu bringen, in der er völlig überrissene Beträge bezahlt hat, ohne uns Söhne zu informieren», sagt Claudio W.* (66) zu Blick. «Er hat meinen Vater auf der Beziehungsebene abgeholt und manipuliert. Der Gauner wollte plötzlich 120'000 Franken von ihm.» Ohne Handy und ohne Internetzugang habe sein Vater keine Chance gehabt, sich über den Mann und dessen Firma zu informieren.
Als der Anbieter nochmals 16'000 Franken fordert, ist Schluss. Der Senior weigert sich. Kurz darauf wird das Gerüst abgebaut, obwohl Arbeiten noch nicht beendet sind. Der Handwerker macht sich aus dem Staub. W. schaut sich die Arbeiten genauer an. Sofort wird ihm klar: «Ich habe nicht nur zu viel bezahlt. Die Arbeiten wurden auch noch schludrig ausgeführt!» So wurden die Türgriffe einfach übermalt. Oder Böden nur unsauber gestrichen. W. erstattet Anzeige wegen Wuchers. Demnächst kommts zur Verhandlung vor dem Strafgericht in Muttenz BL. Es gibt noch weitere Geschädigte.
«Seriöse Firmen machen das nicht»
Den Fall hat der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) publik gemacht. Er warnt zur Vorsicht, wenn plötzlich ein Handwerker klingelt und günstige Renovationsarbeiten anbietet. «Seriöse Firmen machen das nicht, um ihre Arbeiten anzubieten», heisst es vonseiten des SMGV. Solche sogenannten Laufbetriebe hätten es häufig gezielt auf ältere Hausbesitzer abgesehen.
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Der wichtigste Rat: Keine spontanen Aufträge an der Haustür vergeben und sich nicht zu einer Unterschrift drängen lassen. Wer eine Offerte trotzdem prüfen will, sollte zuerst recherchieren, ob die Firma tatsächlich existiert und seriös ist. Orientierung bietet etwa das Branchenverzeichnis des SMGV. Zudem gilt: Immer eine detaillierte schriftliche Offerte und nach Abschluss eine korrekte Rechnung verlangen. Diese ist auch nötig, um Renovationskosten später bei den Steuern geltend machen zu können.
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