41 Grad in Stammersdorf: Das ist der heißeste Fleck Wiens

Für einen Tag waren die 41 Grad, die am Dienstagnachmittag im Norden Wiens gemessen wurden, der österreichweite Hitzerekord. DER STANDARD sah sich während der Höchsttemperaturen vor Ort um

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41 Grad in Stammersdorf: Das ist der heißeste Fleck Wiens

Hitzewelle

41 Grad in Stammersdorf: Das ist der heißeste Fleck Wiens

Für einen Tag waren die 41 Grad, die am Dienstagnachmittag im Norden Wiens gemessen wurden, der österreichweite Hitzerekord. DER STANDARD sah sich während der Höchsttemperaturen vor Ort um

Reportage

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Maximilian Gruber

Ein Mann eilt aus einer Haustür in seinen dunkelgrünen Škoda. Er schiebt zurück, fährt 30 Meter an der Stammersdorfer Straße entlang, blinkt und steigt wieder aus. Er öffnet ein Tor und fährt mit dem Škoda hinein. Menschen scheinen die Gehwege auf tunlichst zu vermeiden. Nur Autos fahren durch die Straßen. Sie spiegeln sich im flimmernden Asphalt wider.

Straßenbahnhaltestelle an einer Straße bei klarem, sonnigem Himmel. Schienen verlaufen durch die Haltestelle. Auf der linken Seite ein Fahrplananzeiger, ein Bankautomat und kleine Geschäfte. Rechts sind Gebäude und parkende Autos zu sehen. Oberleitungen für die Straßenbahn verlaufen über die Straße.
Nach kühlen Orten suchte man am Dienstag in Stammersdorf ebenso vergebens wie nach Menschen.

Es ist brütend warm, im nördlichsten Ort Wiens. Der Nordpol der Stadt wurde kurzzeitig zum heißesten Fleck Österreichs. Am Dienstag um 15.30 Uhr kletterte das Thermometer der Geosphere-Austria-Messstation in Stammersdorf auf 41 Grad. Neuer Rekord. Der bisherige Höchstwert von 40,5 Grad in Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich wurde deutlich übertroffen. Aber Stammersdorf blieb nicht lange Hitzerekordhalter: Einen Tag später, am Mittwoch, holte sich Bad Deutsch-Altenburg mit 41,2 Grad den Titel als Hitzehotspot Österreichs zurück – in Stammersdorf wurden erneut 41 Grad gemessen.

Straße bei Sonnenuntergang mit Gehweg, Bäumen und Häusern. Rechts ist ein pinkfarbenes Haus mit Fenstern und Blumenkästen, links stehen Zäune und weitere Gebäude.
Am Fuße des Bisamberg gelegen, wirkt der Weinort Stammersdorf fast mehr dörflich als städtisch.

Der Weinort Stammersdorf, eine der 89 Katastralgemeinden Wiens, liegt am Fuße des Bisambergs. Nach einer 20-minütigen Fahrt mit der 30er-Bim von Floridsdorf stadtauswärts wird man vom schattenlosen Bahnhofplatz empfangen. Hier beginnt der Stadtwanderweg 5. Auf die Idee, einen ausgedehnten Spaziergang zu machen, kommt an diesem Tag aber wohl niemand.

Zweites Outfit

"Das ist heut' schon mein zweites Leiberl", sagt Franz Bauer. Er sitzt mit René Fischbacher hinter einem Würstelstand, im Schatten der Bude ist es am ehesten auszuhalten. Die beiden Malerkollegen streichen derzeit die örtliche Volksschule, lustig war das an diesem Tag nicht. "Drinnen haben wir wahrscheinlich 45 Grad. Da willst dich nicht mehr runterbücken, dir wird die ganze Zeit schwindlig", sagt Bauer. Der 50-Jährige erzählt, er sei träge und langsamer bei diesen Temperaturen.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch im Freien, umgeben von Grünpflanzen. Beide tragen Freizeitkleidung, einer eine Schirmmütze. Auf dem Tisch stehen Bierflaschen. Im Hintergrund sind Gebäude und eine Straße zu sehen.
Malerkollegen Franz Bauer und René Fischbacher genießen ihren Feierabend.

Bauer sei heute aber auch kaum zum Trinken gekommen, was die Hitze wohl noch unerträglicher gemacht habe, sagt er. "Ich vergesse immer aufs Trinken." Es ploppt, eine kleine Dampfschwade dringt aus dem Flaschenhals, dann nimmt er den ersten Schluck. "Kühles Bier", schwärmt er. Feierabend. "Obwohl warme Getränke bei Hitze ja gesünder sein sollen."

Für Naqvi Dyed dauert der Arbeitstag noch. Ein paar Meter weiter die Brünner Straße entlang geht er mit einer orangenen Tasche vom Ristorante Amigo zu seinem Auto. Ins Lokal haben sich heute keine Gäste verirrt, er muss die Pizza ausliefern. Warum er bei 41 Grad in langer Hose und Hemd unterwegs ist? "41 Grad? Scheiße", seufzt der 28-Jährige.

Ein Mann sitzt in einem silberfarbenen Auto auf dem Fahrersitz. Im Hintergrund sind Bäume und ein Gebäude zu sehen.
41 Grad draußen sind für Essenslieferanten Naqvi Dyed erträglicher als das erhitzte Auto.

Er startet den Motor. "Schlechte Arbeit", sagt er. Für die kurzen Strecken schalte er die Klimaanlage nicht an – "sonst werde ich krank". Die Hitze sei draußen noch angenehmer als im Auto. Vor allem, wenn der Wind weht.

"Wie ein Föhn"

Tatsächlich bläst an diesem Rekordtag eine heiße Brise durch Stammersdorf. "Wie ein Föhn", klagt einer der seltenen Passanten auf der Straße. Doch das verhindere zumindest, dass die Hitze ganz stehen bleibt.

Stammersdorf wirkt an diesem Tag fast wie ausgestorben und damit noch dörflicher, als es wohl ohnehin ist. Motorenknattern weht mit dem Wind von der stark befahrenen Brünner Straße durch die Gassen, doch auch ein parkendes Auto tut seinen Teil. Ein Mann sitzt darin, der Motor läuft, wohl um drinnen für ein kühles Ambiente zu sorgen.

Die wenigen Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, wechseln die Straßenseite – und hanteln sich von Schatten zu Schatten. Einer von ihnen ist Andreas. "Man versucht, der Hitze zu entkommen", erzählt der 34-Jährige. Nachmittags habe er sich "vor der Hitze versteckt", doch nun müsse er mit Hund Hermes raus. Und nach wenigen Minuten wolle Hermes aber ohnehin wieder nach Hause und ziehe ihn dorthin.

Ein idyllischer Fluss, flankiert von dichtem grünen Gebüsch und Bäumen. Rechts führt ein Geh- und Radweg mit blauen Geländern auf Stelzen am Wasser entlang. Links verläuft ein schmaler Pfad. Der Himmel ist klar und blau.
Vorbei am Marchfeldkanal, liegt der Kleingartenverein Stammersdorf.

Einige hundert Meter östlich, vorbei am Marchfeldkanal, liegt der Kleingartenverein Stammersdorf. Stille liegt über den kleinen Grundstücken, nur ein einziges Wasserplatschen, begleitet von einer Kinderstimme, hallt über die Anlage. Auch hier haben sich die meisten in ihre Häuschen zurückgezogen.

Eine Frau steht auf einem sonnigen Gehweg, der von grünen Pflanzen, einem Maschendrahtzaun und Straßenlaternen gesäumt ist. Sie trägt ein bedrucktes Kleid, Sonnenbrillen auf dem Kopf und eine schwarze Tasche mit einem flauschigen Anhänger. Im Hintergrund erstreckt sich der Weg in die Ferne.
"Es ist schrecklich", klagt Susanne Mollner über den Hitzerekord.

"Es ist schrecklich", klagt Susanne Mollner über den Hitzerekord. Ihre Nachbarn haben Klimaanlagen und sind allesamt drinnen. Sie selbst wohne im Gemeindebau, heute musste sie im Garten Blumen gießen. "Sonst sterben's ja ab." Ihre einzige Möglichkeit sei, sich ständig kalt abzuwaschen. "Und viel trinken", fügt die 63-Jährige hinzu. Den Tipp hat wohl auch ein Bub recht ernst genommen, er fährt gerade mit seinem Fahrrad vorbei. Beide Hände sind am Lenker, die Wasserflasche hat er zwischen seine Lippen geklemmt.

Abendliche 38 Grad

Die 81-jährige Katharina recht am frühen Abend ihren Rasen – zumindest was noch davon übrig ist. Mit langsamen Bewegungen kommt sie voran, die Hitze mache ihr sehr zu schaffen. Sie sei schlapp, müde und nicht leistungsfähig. "Und wenn ich zu wenig trinke, bin ich schon paar mal zusammengekippt", sagt sie.

Bei den 41 Grad am Nachmittag war sie nicht draußen, doch die abendlichen 38 Grad seien kaum besser. "Und drinnen hat es 30." Sie sei in Stammersdorf geboren, habe immer schon hier gelebt. Doch heute seien besonders wenige Menschen draußen, erzählt sie.

Ein Kartenterminal von Nayax an einem Automaten zeigt eine Fehlermeldung an:
Der Eisautomat hat aufgegeben.

Einzig vor dem örtlichen Billa Plus an der Brünner Straße strömen Menschen in das klimatisierte Geschäft, vielleicht tut das Plakat mit der Aufschrift "Voller Frische" seinen Teil – oder der Eisautomat vom Eissalon Schwedenplatz. Zwei Frauen stehen davor: "Ein Eis wär schon geil", sagt die eine. Doch dann die Enttäuschung. "Momentan außer Betrieb", steht auf dem Bildschirm. (Maximilian Gruber, 5.8.2026)

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