Tobias Rengglis filmisches Alpenabenteuer quer durch die Schweiz

Tobias Renggli vereint zwei Sportarten in einem Projekt. Seit November fährt der Luzerner mit dem Velo durch 47 Länder Europas und besteigt in jedem Land den höchsten Berg. Aktuell befindet er sich in Schweden ungefähr in der Hälfte seiner Tour. Bis im September will Renggli noch Skandinavien, Osteuropa, den Balkan und die Alpen durchqueren.

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Tobias Rengglis filmisches Alpenabenteuer quer durch die Schweiz

26 Gipfel und 26 Gipfeli Extremsportler Renggli: «Habe vor lauter Erschöpfung geweint»

Der 23-jährige Tobias Renggli erklomm in weniger als 26 Tagen die höchsten Gipfel aller Schweizer Kantone mit dem Velo und zu Fuss – ein Film dokumentiert sein Alpenabenteuer.

04.08.2026, 06:51

Bereits als Jugendlicher hatte Renggli alle kantonalen Höchstpunkte bestiegen, allerdings verteilt über mehrere Jahre. Diesmal wollte er die gesamte Route in einem Zug absolvieren – in weniger als 26 Tagen. Begleitet wurde das Projekt von einem Filmteam vom Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Der Film ist jetzt online publiziert worden.

«Je grösser die Wahrscheinlichkeit zu scheitern ist, desto grösser ist das Abenteuer», sagt Renggli über seine Reise.

Insgesamt legte Renggli mehr als 2500 Kilometer mit dem Velo zurück und bewältigte zu Fuss Tausende Höhenmeter.

Die Herausforderung durch Wetter und Anstrengung

Am Finsteraarhorn (4274 Meter), dem höchsten Berg des Kantons Bern, kehrten Renggli und sein Seilpartner Martin Anthamatten, Skibergsteiger und Trail Runner, rund 50 Höhenmeter unter dem Gipfel um. Die Sicherheitsbedingungen liessen keinen weiteren Aufstieg zu.

Den Entscheid bereut Renggli nicht. «Ich bin sogar stolz darauf, dass wir den Mut hatten, umzukehren», sagt er.

Ich sass unter einem Baum am Albulapass und habe vor lauter Erschöpfung geweint.

Auch in körperlicher Hinsicht stiess der junge Extremsportler an seine Grenzen: Nach der Besteigung der Dufourspitze (4634 Meter) im Kanton Wallis litt Tobias Renggli an Magen-Darm-Problemen und musste sich einer 14-stündigen Behandlung in Visp unterziehen.

Am zehnten Tag drohte das Vorhaben zu scheitern. Auf dem Albulapass war Tobias Renggli körperlich und mental am Ende.

Der Film «Gipfeli of Switzerland» von Simon Straetker auf RTS

«Ich sass unter einem Baum am Albulapass und habe vor lauter Erschöpfung geweint», erzählt er. «Ich sah nicht, wie es möglich sein sollte, all die verbleibenden Berge zu besteigen.»

Das Gipfeli als roter Faden

Neben dem sportlichen Ziel hatte sich der Student eine zweite, deutlich spielerische Aufgabe gestellt: Auf jedem Kantonsgipfel ein Gipfeli zu essen.

Person mit Sonnenbrille und Handschuhen isst ein Croissant in verschneiter Berglandschaft.
Legende:

Die Qualität der Gipfeli schwankte erheblich – von einer noch warmen Backware aus Zug bis zu einem trockenen Industrieprodukt im Jura.

RTS

Vor allem im Mittelland, wo mehrere kantonale Höchstpunkte an einem Tag erreicht werden können, wurde die Aufgabe zunehmend zur Belastung. Zeitweise ass Renggli bis zu vier Gipfeli pro Tag, insgesamt zwölf innerhalb von drei Tagen.

«Irgendwann wurde es mühsam, so viele Gipfeli zu essen», gibt der 23-Jährige zu.

Zehn Gipfel in zwei Tagen

Nach den schwierigen Momenten nahm das Tempo gegen Ende der Reise nochmals deutlich zu. Im Schweizer Mittelland, wo die höchsten Punkte der Kantone weniger hoch liegen, absolvierte Renggli innerhalb von nur zwei Tagen zehn Gipfel.

Manchmal vergesse ich, wie schön die Schweiz ist und wie viel man hier erleben kann.

Schliesslich erreichte er die Diablerets im Kanton Waadt, seinen 26. und letzten Kantonshöchstpunkt. Er erklomm den Gipfel bei Sonnenuntergang – nach genau drei Wochen ununterbrochener Anstrengung.

«Es war ein unglaublich tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Ich war einfach glücklich», gesteht Renggli.

Person in Bergkleidung auf einem Gipfel mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
Legende:

Tobias Renggli: Gipfeli- und Gipfelsammler.

RTS

Für den Luzerner war die Expedition mehr als eine sportliche Leistung. Bereits mit 18 Jahren hatte er alle 44 Länder Europas mit dem Velo bereist. Dennoch habe er in dieser dreiwöchigen Bergtour durch die Schweiz mehr gelernt als in manchem Hörsaal.

Zugleich entdeckte er sein eigenes Land neu. «Manchmal vergesse ich, wie schön die Schweiz ist und wie viel man hier erleben kann», sagt er. Seine Botschaft: Jede und jeder könne sich auf eine eigene Suche begeben – sei sie sportlicher oder kulinarischer Natur.