21,7 Milliarden Euro Bürgergeld an Ausländer: Was hinter Siegmunds heftigem Vorwurf steckt
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Stand: 11.08.2026, 14:27 Uhr
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Der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund spricht im Interview mit dem MDR von Milliarden Euro, die Deutschland in die ganze Welt verschenke. Was an dem Vorwurf dran ist.
Magdeburg – In wenigen Wochen wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, die AfD führt die Wahlumfragen klar an. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat nun mit mehreren Zahlen für Aufsehen gesorgt. Im Interview mit MDR Aktuell behauptete er, Deutschland würde Geld in die gesamte Welt verschenken und unter anderem „über 20 Milliarden Euro nur für Bürgergeldzahlung an nicht-deutsche Staatsbürger“ ausgeben. Der MDR hat die Aussagen geprüft – und ihr im Kern recht gegeben. Doch Sachsen-Anhalts Innen- und Sozialministerium widersprechen Sigmund. Was hinter den Aussagen steckt.

Im MDR-Interview sagte Siegmund: „Wir verschenken Geld in die ganze Welt. Über 20 Milliarden Euro nur für Bürgergeldzahlung an nicht-deutsche Staatsbürger. Jede Minute gehen 20.000 Euro in die Ukraine. [...] Das [Geld] könnte der Bund auch an die Länder ausreichen.“ Nach dem Interview mit Sigmund überprüfte der MDR die Aussagen. Im Faktencheck bestätigte der Sender: Die Rechnung ist korrekt. Im Haushaltsjahr 2025 seien insgesamt 46,65 Milliarden Euro Bürgergeld ausgezahlt worden. Der Anteil ausländischer Staatsbürger an den Empfängern habe bei 47,6 Prozent gelegen, das ergebe rund 21,7 Milliarden Euro.
AfD-Kandidat spricht von 21,7 Milliarden Euro Bürgergeld für Ausländer
Der MDR stellt dabei auch klar, was Siegmund nicht erwähnt: Fast dieselbe Summe floss demnach an deutsche Staatsbürger. Das Bürgergeld ist nach deutschem Recht eine Sozialleistung, auf die alle Anspruchsberechtigten unabhängig von ihrer Herkunft ein Recht haben. Laut MDR ist auch der zweite Teil der Aussage, dass jede Minute 20.000 Euro in die Ukraine fließen würden, rechnerisch nachvollziehbar. Jedoch sei es nicht so einfach möglich, diese Mittel stattdessen den Ländern zugutekommen zu lassen. Das müsste zunächst im politischen Prozess beschlossen werden und dann im Bundeshaushalt festgeschrieben werden.
Ulrich Siegmund warf den Vorgängerregierungen in Sachsen-Anhalt außerdem vor, „seit zehn Jahren ja hunderte Millionen, Milliarden Euro“ für den Bereich Migration, Asyl, Integration etc. auszugeben. Dieser Aussage widersprachen sowohl der MDR Faktencheck als auch Sachsen-Anhalts Innen- und Sozialministerium. Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte laut Welt: „Die Aussage, dass allein in Sachsen-Anhalt in den vergangenen zehn Jahren Milliarden Euro für Asyl und Integration ausgegeben worden seien, ist falsch.“ Eine detaillierte Auflistung der tatsächlichen Ausgaben lieferten die Behörden jedoch nicht. Die Kosten sind schwer zu beziffern, weil sie teils vom Bund, teils von den Ländern getragen werden.
AfD wirft Sachsen-Anhalt vor, hunderte Milliarden für Migration und Asyl auszugeben
Für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) wurden in Sachsen-Anhalt nach den Recherchen des MDR von 2016 bis 2025 rund 1,2 Milliarden Euro ausgegeben. Das sei im Bundesvergleich ein unterdurchschnittlicher Wert. Die gesamten Ausgaben für Migration und Integration lassen sich laut MDR nicht exakt beziffern, da sie in den öffentlichen Haushalten häufig nicht gesondert ausgewiesen werden. Deutschlandweit würden sich die Bruttoausgaben nach dem AsylbLG im selben Zeitraum auf rund 58,7 Milliarden Euro belaufen – weit unter den von Siegmund beschworenen hundert Milliarden Euro.
Auf den Einwand, dass in Sachsen-Anhalt Arbeitskräfte fehlen würden, schlug Siegmund im MDR-Interview vor, ausgewanderte Deutsche nach Sachsen-Anhalt zurückzuholen. Der amtierende Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze hält das laut Welt für unrealistisch: „Da bin ich mal gespannt, ob der Zahnarzt, der aus Baden-Württemberg in die Schweiz ausgewandert ist, dann, wenn die AfD hier regieren würde, eine Praxis in Sachsen-Anhalt aufmachen würde. Das würde ich bezweifeln.“
Kritik an AfD-Aussagen im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
Auch Arbeits- und Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) verwies auf die wirtschaftliche Bedeutung ausländischer Arbeitnehmer: „Ohne internationale Ärztinnen und Ärzte wäre die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt nicht aufrechtzuerhalten“, sagte sie laut Welt. Wie das Medium angibt, sind in in Sachsen-Anhalt knapp 70.000 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt – neun Prozent aller Beschäftigten im Land.
Siegmunds Aussagen sind Teil einer gezielten Migrationsdebatte, die die AfD Sachsen-Anhalt seit Jahren führt. Der Landesverfassungsschutz stuft den Landesverband als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Im jüngsten Verfassungsschutzbericht von 2025 heißt es, dass ihre Funktions- und Mandatsträger „Verbindungen in das gesamte rechtsextremistische Spektrum“ unterhalten und „die Programmatik der AfD Sachsen-Anhalt ist wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus durchdrungen.“ Dieser Begriff bezeichnet die unter den Neuen Rechten verbreitete Idee, die vermeintliche „Völkervielfalt“ durch strikte Trennung unterschiedlicher Kulturen zu erreichen. Rund einen Monat vor der Landtagswahl am 6. September liegt die AfD laut einer Insa-Umfrage mit 42 Prozent deutlich vor der CDU mit 22 Prozent. (Quellen: dpa, MDR, Welt)