20 Prozent schlechter: Studie aus China zeigt, was auf deutsche Schulen zukommen kann
StartseiteWeltStand: 10.08.2026, 20:22 UhrKommentareUns auf Google folgen„Geht auf Kosten des Lernerfolgs“: Studienergebnisse aus China sind besorgniserregend. Deutschland braucht eine „neue Prüfungskultur“.Fra...
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Stand: 10.08.2026, 20:22 Uhr
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„Geht auf Kosten des Lernerfolgs“: Studienergebnisse aus China sind besorgniserregend. Deutschland braucht eine „neue Prüfungskultur“.
Frankfurt – Wer Hausaufgaben an generative Künstliche Intelligenz (KI) auslagert, schneidet in Prüfungen schlechter ab. Das ist das zentrale Ergebnis einer chinesischen Studie mit über 26.000 Schülerinnen und Schülern aus den Klassenstufen sieben bis zwölf. Kinder und Jugendliche, die KI für benotete Abgaben nutzten, schnitten 18 Prozent besser ab. Die Arbeitszeit verkürzte sich um 30 Prozent. In monatlichen Prüfungen fielen die Leistungen deutlich ab – die Ergebnisse sanken um 20 Prozent, bei zentralen Abschlussprüfungen sogar um bis zu 24 Prozent. Eine „massive Verschlechterung“, schreibt ein Nutzer auf Linkedin.
Der Grund dafür ist laut Studienautorinnen und ‑autoren ein „Lernverlust“: Wer Lösungen generieren lässt, statt Aufgaben selbstständig zu erarbeiten, bearbeitet die Inhalte nicht lange genug und bleibt passiv. Interessanterweise zeigten diejenigen Schüler kaum Leistungseinbußen, die trotz KI-Einsatz eine ähnlich lange Bearbeitungszeit beibehielten. Am größten waren die Lernverluste in sozialwissenschaftlichen Fächern, gefolgt von MINT-Fächern und Sprachen. Jüngere Schüler, leistungsstarke Schüler und Jungen waren besonders betroffen.
Auch in Deutschland nutzen immer mehr Schüler und Schülerinnen KI für Hausaufgaben und Co. „Die Ergebnisse aus China sind für die Diskussion rund um KI in Schule und Lernumgebungen wichtig“, sagt Michael Sailer der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Sie beschrieben ein „typisches Muster: Während Künstliche Intelligenz zur Verfügung steht, ist die Leistung besser als zuvor. Sobald KI nicht mehr zur Verfügung steht, bricht die Leistung ein“, sagt der Lehrstuhlinhaber für Learning Analytics und Educational Data Mining an der Universität Augsburg. Dieses „Cognitive Offloading“ werde in weiteren Studien beschrieben, viele betrachten das Phänomen über kurze Zeit. „Diese Studie betrachtet einen längeren Zeitraum. Das ist zweifellos stark“, sagt er.

„Zuerst selbst machen, dann mit KI über das Ergebnis sprechen, führt zum größten Lernerfolg“
„Cognitive Offloading“ sei nicht immer schlecht, wenn die freien Arbeitsgedächtnisressourcen sinnvoll genutzt würden. Zum Beispiel bei Additions- und Subtraktionsaufgaben, die an den Taschenrechner abgegeben würden, um genug Kapazität für ein komplexes mathematisches Problem zu haben. „Effekte von KI auf den Lernerfolg muss man differenziert betrachten“, sagt Sailer der Frankfurter Rundschau. Als Tutor des eigenen Lernprozesses, wenn sie Lernprozesse adaptiv mittels Feedback und Scaffolding unterstütze, könne KI positive Effekte haben. „Wenn KI dafür genutzt wird, lernrelevante kognitive Prozesse zu übernehmen, geht dies auf Kosten des Lernerfolgs.“
Welche Konsequenzen müssen Lehrkräfte, Eltern und Schulen aus den chinesischen Studienergebnissen ziehen? „Ich halte es für wichtig, über das Cognitive Offloading auch mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen“, sagt der Psychologe und Erziehungswissenschaftler. Sie aufzuklären, dass das Übergeben lernrelevanter Prozesse schlussendlich nicht zum Ziel „Lernen“ führen wird. „Auch Aufklärungsarbeit, bezogen auf Halluzination und die nichtdeterministische Natur von KI sowie Biases (z. B. Gender Bias), sollte man da auch gleich miterledigen.“
Sailer fordert eine „neue Prüfungskultur für das KI-Zeitalter“, in der es mehrere Dimensionen gebe (Prüfen mit KI, aber auch Prüfen ohne KI). „Aber wir sollten nicht dem Irrtum auflaufen, dass wir unser gesamtes Wissen ja aus der KI schöpfen können. Damit würden wir riskant und schlecht fahren“, sagt er. Sich Wissen ohne KI anzueignen, bleibe enorm wichtig. „Vielleicht ist es sogar wichtiger als bisher. Nichts schützt besser bei der Bewertung von (potenziell fehlerhaften) KI-generierten Inhalten als Vorwissen. Nur ein klein wenig Vorwissen kann da schon den Unterschied machen. Man könnte auch fast sagen, dass es wie eine Impfung wirkt – gegen Fake News und KI-Halluzinationen.“
Für Lehrkräfte sei es „wichtiger denn je, motivational ansprechenden Unterricht zu gestalten“, sagt Sailer. Räume zu schaffen, in denen bewusst mit und auch bewusst ohne KI gearbeitet werde, sei wichtig. Hier muss auch immer die Frage gestellt werden, welche Aufgaben sich eben für welche Phase eignen – und noch viel wichtiger: in welcher Reihenfolge diese Phasen „orchestriert“ werden – also in welcher Sequenz sie stattfinden. „Aktuelle Studien zeigen: Zuerst selbst machen, dann mit KI über das Ergebnis sprechen, führt zum größten Lernerfolg.“ (Quellen: eigene Recherche, chinesische Studie)