2. Fußball-Bundesliga: Der Sohn „kackt“, der Vater trifft: Grönnings Traumstart
Kurz vor dem Anpfiff galt Sebastian Grönnings letzter Blick seiner kleinen Familie. Der Hertha-Stürmer holte sein Handy hervor und schaute noch einmal auf das Foto seiner Freundin und seines zweieinhalb Monate ...
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Kurz vor dem Anpfiff galt Sebastian Grönnings letzter Blick seiner kleinen Familie. Der Hertha-Stürmer holte sein Handy hervor und schaute noch einmal auf das Foto seiner Freundin und seines zweieinhalb Monate alten Sohnes. Wenig später hatte der frischgebackene Vater selbst einen Moment fürs Familienalbum geschaffen.
Mit seinem Treffer avancierte Grönning beim 1:0-Auftaktsieg in Bochum zum ersten Berliner Helden der Saison. „Das war das erste Mal, dass ich als Papa spiele. Ich habe nach dem Spiel eine Nachricht von meiner Freundin bekommen, dass das für meinen Sohn war“, sagte der Stürmer, der von Trainer Stefan Leitl den Vorzug vor Luca Schuler erhalten hatte und das Vertrauen mit einem gefühlvollen Lupfer zurückzahlte.
„Es war unser klarer Plan, so aufzutreten“
Erstmals seit sechs Jahren gewann der Berliner Fußball-Zweitligist seinen Saisonauftakt. Ausgerechnet diesmal, als man nach dem Verlust von insgesamt 13 Spielern mit großen Fragezeichen in die neue Spielzeit startete. Doch das neue Spielsystem des Hauptstadt-Clubs mit hohem Pressing funktionierte vor allem in der ersten Halbzeit schon überraschend gut.
Als „überragend“ und „fantastisch“ beschrieb Leitl die Leistung seiner Mannschaft. Adjektive, die lange nicht mehr in Zusammenhang mit Hertha gefallen sind. „Es war unser klarer Plan, so aufzutreten. Wir waren griffig, hatten in der ersten Halbzeit alles unter Kontrolle. In der zweiten Halbzeit fehlten uns etwas die Körner“, sagte Leitl, dessen Mannschaft ohne einen einzigen Neuzugang auflief. Erst in der Schlussphase wurde Sommertransfer Oluwaseun Adewumi eingewechselt.
„Elf Spieler aus der eigenen Akademie im Kader, fünf davon in der Startelf“, hatte Herthas Geschäftsführer Peter Görlich bei Sky festgestellt. Mutiger und intensiver will die Alte Dame spielen und dadurch mehr Torgefahr entwickeln. Gleichzeitig leidenschaftlich verteidigen. So wie in der zweiten Halbzeit, als Bochum drückte und die Kräfte bei den Berliner schwanden. Innenverteidiger Niklas Kolbe sprach von einem „Drecksspiel“.
Konkurrenz für Grönning: Leitl wünscht sich neuen Stürmer
Dass ausgerechnet Grönning zum ersten Berliner Matchwinner werden würde, war vor dem Anpfiff keineswegs ausgemacht. In der Vorbereitung hatte sich der 29-Jährige mit Luca Schuler ein enges Duell um den Platz im Sturmzentrum geliefert. In der 39. Minute spielte Nachwuchshoffnung Soufian Gouram einen starken Pass in die Spitze. Grönning blieb vor Bochums Torhüter Timo Horn cool und hob den Ball zum 1:0 ins Netz.
„Ich habe mich wohlgefühlt und glaube deshalb auch, dass ich die Chance verdient habe. Ich habe mir selber vor dem Spiel gesagt, dass ich die jetzt auch ergreifen muss“, erklärte der Däne. Im Sommer 2025 war Grönning vom FC Ingolstadt an die Spree gewechselt und lief den Erwartungen bislang hinterher. Nach dem Personalumbruch könnte er nun eine tragende Rolle übernehmen - auch wenn sich Leitl noch einen Neuzugang im Sturm wünscht.
„Weil mein Sohn weint, kackt und schläft“
Seit der Geburt seines Sohnes habe sich seine Perspektive aufs Leben verändert, betonte Grönning. „Ich denke nicht mehr so viel an Fußball, wenn ich nach Hause komme. Normalerweise kannst du als Fußballer schlechtes Training oder andere Dinge mit nach Hause nehmen. Jetzt habe ich dafür keine Zeit mehr, weil mein Sohn weint, kackt und schläft. Ich habe andere Dinge zu tun“, sagte er mit einem Lächeln. An diesem Abend durfte er den Fußball aber guten Gewissens mit nach Hause nehmen.
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