150 Sänger führen Carmina Burana in Sporthalle auf – ausverkauft
StartseiteLokalesStarnbergHerrschingStand: 29.07.2026, 13:06 UhrKommentareUns auf Google folgenVolle Halle: An der Carmina-Burana-Aufführung wirkten 150 Chorsänger mit, rund 800 Zuhörer waren begeistert. © Andr...
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Stand: 29.07.2026, 13:06 Uhr
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Zur 1250-Jahr-Feier von Herrsching haben drei Chöre gemeinsam Carl Orffs Carmina Burana aufgeführt. 800 Zuschauer verfolgten das Konzert in der Dreifachturnhalle der Realschule.
Herrsching – Kein Wunder, dass dieses Chorkonzert bis auf den letzten Platz ausverkauft war: Mit einem Riesenaufgebot an Sängern und Instrumentalisten gaben die drei großen Herrschinger Chöre, Evangelische Kantorei, Kirchenchor der Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost und des Vereins Cantilena, anlässlich der 1250-Jahr-Feier gemeinsam ein unvergleichlich opulentes Konzert. Dabei wurden sie unterstützt von etwa 30 Kindern aus Herrschinger Kirchen- und Schulchören. Stimmgewaltig wurde die Carmina Burana von Carl Orff aufgeführt, in einer besonderen Fassung mit zwei Klavieren, Solisten und Schlagwerk.
800 begeisterte Zuschauer, 150 Chorsänger, drei Solisten, zwei Pianistinnen, fünf Schlagwerk-Instrumentalisten und zwei Dirigentinnen – das hätte wohl jeden Kirchenraum gesprengt. Und so zogen die Chöre für ihr großangelegtes Projekt kurzerhand in die Dreifachturnhalle der Realschule Herrsching um, die Direktor Christian Schmitz gerne zur Verfügung gestellt hatte.
Uraufführung zum Ortsjubiläum
Dort war alles angerichtet, der Boden professionell ausgelegt und die Technik bereit. Erst vor Kurzem hatten die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen dort ihre Zeugnisse überreicht bekommen. Dennoch überschritt das Chorprojekt den üblichen Kostenrahmen und erforderte erstmalig einen Eintrittspreis in Höhe von 20 Euro. „Der Eintritt deckt dennoch kaum den Aufwand“, sagte Bürgermeister Christian Schiller und warb für Spenden. Er begrüßte die zahlreichen Gäste des Abends und dankte den Akteuren, allen voran dem Chor Catilena, bei dem diesmal die Hauptverantwortung für die Organisation lag. Er unterstrich dabei das besondere Engagement der Ersten Vorsitzenden des Vereins, Michaela Bandemer.
Stolz kündigte Schiller zum Auftakt eine Welturaufführung an. Eigens für das Ortsjubiläum hatte Dirigentin Birgit Henke das Stück „Franzesco di Wessobrunn“ komponiert. Die Idee dazu hatte ihre Dirigentenkollegin Elisabeth Schmidt. Noch bevor die ersten Takte der Carmina Burana gesungen wurden, erklang gregorianischer Gesang mit modernen Elementen am Schluss. Es war eine gelungene Hinführung zum Hauptakt, waren doch wiederkehrende Elemente aus Orffs Komposition erkennbar. Entstanden sei das Werk auf der Grundlage des Wessobrunner Gebets und des Sonnengesangs von Franz von Assissi.
Mit großem Heimatbezug war die Carmina Burana zur Feier gut gewählt: Carl Orff wurde am 10. Juli 1895 in München geboren. Stark beeinflusst von Richard Wagner, entwickelte er während seines Studiums in der Landeshauptstadt seinen charakteristischen Kompositionsstil, mit dem er die Musik nachhaltig prägte. Auch die Carmina Burana, die Orff 1937 als szenisches Kantatenwerk komponierte, basiert auf mittelalterlichen Texten aus dem sogenannten Codex Buranus, einer Sammlung, die im Kloster Benediktbeuern gefunden wurde. Sie enthält Lieder und Gedichte fahrender Schüler und Kleriker aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Orff wählte daraus Teile oder Einzelstrophen aus.
Orffs Stil meisterlich umgesetzt
Dem Stil Orffs, der sich durch rhythmische Prägnanz und melodische Klarheit auszeichnet, wurden die Chorsänger an diesem Abend auf meisterliche Weise gerecht. Abwechselnd gaben Birgit Henke und Elisabeth Schmidt, die auch die künstlerische Leitung hatten, den Takt an. Bereichernd und stimmlich ansprechend waren die Soli von Teresa Boning, Wolfgang Schmidt und Thilo Himstedt, der seinen Auftritt, Gauklern gleich, zunächst mit einem Kopfstand inszenierte. Gerahmt vom Schicksalsruf „O Fortuna“ führte die gesungene Handlung durch die drei Teile, die verschiedene Aspekte menschlichen Lebens und der Natur darstellen: „Frühlingslieder“, „In der Schenke“ und „Liebeslieder“. Die Pianistinnen Brigitte Scheidegger-Heigenhuber und Julia Dömel sowie die Schlagwerkgruppe unter der Leitung von Andreas Langanki sorgten unterdessen für Opulenz großer Häuser.
So war der große Beifall am Ende sehr verdient. Alle waren über sich hinausgewachsen und haben für das Herrschinger Ortsgeschehen ein musikalisches Denkmal gesetzt, das seinesgleichen suchen muss.
Alexandra Joepen-Schuster