1.700 Jahre alte Siedlung im Maisfeld: Neue Funde bei Salzwedel

Bei Rockenthin, einem Ortsteil von Salzwedel, erforschen die Jungen Archäologen der Altmark eine germanische Siedlung aus der Römischen Kaiserzeit. Zu den diesjährigen Funden gehören ein Knochenkamm mit Metallnieten, Keramikscherben und ein Gürtelhaken. Das internationale Grabungscamp begeistert Menschen verschiedener Generationen – doch dem Verein fehlt Nachwuchs.

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1.700 Jahre alte Siedlung im Maisfeld: Neue Funde bei Salzwedel
Archäologen arbeiten in zwei Gruben.

AUDIO: Archäologen erforschen 1.700 Jahre alte germanische Siedlung (2 Min)

Grabung bei Rockenthin

Archäologen erforschen 1.700 Jahre alte germanische Siedlung

Stand: 11.08.2026 18:50 Uhr

Bei Rockenthin, einem Ortsteil von Salzwedel, erforschen die Jungen Archäologen der Altmark eine germanische Siedlung aus der Römischen Kaiserzeit. Zu den diesjährigen Funden gehören ein Knochenkamm mit Metallnieten, Keramikscherben und ein Gürtelhaken. Das internationale Grabungscamp begeistert Menschen verschiedener Generationen – doch dem Verein fehlt Nachwuchs.

von Carina Emig, MDR SACHSEN-ANHALT

Vorsichtig fährt die Kelle durch den sandigen Boden. Nicht zu tief, nicht zu schnell. Denn zwischen Maispflanzen und aufgeschütteter Erde kann sich unter jedem Zentimeter die nächste Spur aus der Vergangenheit verbergen. Eine Scherbe, ein Stück Metall oder etwas, mit dem hier niemand gerechnet hat.

Zwei Wochen lang haben die Jungen Archäologen der Altmark bei Rockenthin, einem Ortsteil von Salzwedel, gegraben. Dort, versteckt in einem Maisfeld, liegen die Überreste einer Siedlung aus der jüngeren Römischen Kaiserzeit. Etwa zwischen 200 und 400 nach Christus lebten und arbeiteten hier Germanen.

Acht Grubenhäuser bei Rockenthin nachgewiesen

Seit 2018 untersuchen die Vereinsmitglieder das Gelände. Rund 840 Quadratmeter haben sie inzwischen freigelegt. Mindestens acht sogenannte Grubenhäuser konnten nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um kleine, teilweise in den Boden eingetiefte Gebäude, die vermutlich vor allem als Werkstätten dienten. Hinzu kommen Hinweise auf deutlich größere Langhäuser.

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine

Was die Menschen vor rund 1.700 Jahren zurückließen, liegt heute oft nur noch in Fragmenten im Boden: Keramikscherben, Spinnwirtel und andere Alltagsgegenstände. Zu den besonderen Funden gehört ein Gürtelhaken aus dem frühen ersten Jahrhundert. Er könnte darauf hindeuten, dass das Gelände schon deutlich früher genutzt wurde.

Knochenkamm wird samt Erdblock geborgen

Kurz vor Ende der diesjährigen Grabung dann noch eine Überraschung: Im Boden taucht ein Knochenkamm mit Metallnieten auf. Der Thüringer Archäologe Philipp Brügge erkennt schnell, dass die Bergung schwierig wird. Der sandige Boden hat dem Knochen zugesetzt. Gemeinsam mit Archäologiestudentin Selina Ohner wird der Fund deshalb vorsichtig im Block geborgen.

Ein Kind beobachtet eine archäologische Ausgrabung.

Das Projekt bringt verschiedene Menschen zusammen.

Für die Archäologen sind gerade solche Alltagsgegenstände spannend. Sie erzählen davon, wie Menschen hier lebten, arbeiteten und sich kleideten. Jeder Fund wird deshalb vermessen und dokumentiert. Auch 3D-Scanner kommen dabei zum Einsatz.

Grabungscamp zieht Teilnehmer aus dem Ausland an

Das Grabungscamp zieht längst Menschen weit über Sachsen-Anhalt hinaus an. In diesem Sommer kam ein Teilnehmer sogar aus Australien. Selina Ohner lebt in Dublin. Auch der 18-jährige Khoa Vo, gebürtiger Vietnamese, verbringt einen Teil seiner Ferien auf der Grabung. Für ihn ist gerade das praktische Arbeiten besonders. "Was ich am besten finde, ist, dass man die Arbeit mitmachen darf und dass alles auch erklärt wird", sagt er.

Ein Luftbild der Kreisgrabenanlage von Goseck.

Er gräbt selbst Funde aus, lernt Keramik und Steinwerkzeuge zu erkennen und fertigt archäologische Zeichnungen an. Die Teilnehmer bringen ganz unterschiedliches Wissen und Erfahrungen mit. Der Verein arbeitet bei seinen Grabungen eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zusammen. Seine ehrenamtliche Arbeit wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Junge Archäologen der Altmark suchen Nachwuchs

Doch ausgerechnet beim eigenen Namen hat der Verein inzwischen ein Problem. "Wir nennen uns zwar Junge Archäologen, aber wenn man hier rumguckt, sieht das nicht mehr ganz so jung aus", sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Janikulla und lacht. Den Altersdurchschnitt schätzt er inzwischen auf über 40 Jahre. Nachwuchs zu finden, sei schwieriger geworden. Viele Vereinsmitglieder sind berufstätig und können Schulen nicht so intensiv ansprechen wie früher. Deshalb versucht der Verein inzwischen verstärkt, Jugendliche über soziale Medien zu erreichen.

Luftaufnahme von archäologischen Ausgrabungen.

Seit 2018 wurden rund 840 Quadratmeter untersucht.

Wie gut die Begeisterung überspringen kann, zeigt die Sommergrabung dennoch. Zwischen Maisfeld, Kelle und Keramikscherben arbeiten Menschen verschiedener Generationen und aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam an einer Frage: Wie lebten die Menschen hier vor 1.700 Jahren?

MDR (Carina Emig, Hannes Leonard)